Lowry und Sara

zuerst
steht sie nur da, so, da und sagt nichts, um dann doch in einen Schwall von Verbalgestikulaten zu zerfallen, semanteske Ausdehnung im Raum, die Henderson Lowry offenen Gehoerganges betrachtet, auch wenn sie noch bei sich ist, was nicht immer geschieht, das sie Bei Sich bleibt, so als Koerper und Raum und Zeit, in Expansion begriffenes Vernunftwesen, das einstweilen nicht, bisweilen aber doch in Traenen und Wutschnauben sich zeigt.
Er sieht sie in eeinem samtroten Kleid, ueber das sie eine verwaschen blaue Jeansjacke gestuelpt traegt, in schwarzen Stiefeln, Reliquie eines Krieges , der nicht mehr stattfinden wird, noch es je getan hat, Zeichen oder Fußnote einer moeglichen ( Co- ) Existenz,
an die Pinsel denkt Henderson Lowry fuer den Blitz eines Wimpernschlages, die zufaellige Miniatur der Reste und dieses Sammelsurium aus Sara und Stoff, gleich denkt er sich als Abladebehaelter, Muelleimer fuer toten Schall, die Serie aus Klangbrocken, die sich verteilen wie sie Platz finden, in Vertikale oder Horizzontale, aber was macht es schon,
Farbe oder Stoff, Eisenbahn oder Hitler, marginaler Sprung oder metaphysische Referenzen, alles wie die Bluemchentapete, die fuer jetzt und vorhin etwas von Sahnetorte hat…
…Ich als Sarg, eine dramatisch unfertige Vorstellung draengt sich C. auf, Fetzen aus Gebet und Schwarz, Diskurs und Truthahn schweben aus Sara`s schmalen, roten Lippen in die Atmosphaere, schallenes ( Un-) Sein, fluegelloses Gebein, Pinsel…

Er hat sich ueber mich lustig gemacht, ( Er ist Schwarz ),
Er hat mich vor allen Leuten eine Idiotin genannt
und sie haben geschrien und gelacht, all diese hysterischen Bestien…

und sie schneuzt sich in ein tieflilanes Taschentuch, das laeßt sich als Ausrufezeichen interpretieren…

Schwarz ist als Kuenstler egozentrisch, als Mensch ein Arschloch, was durchaus getrennt betrachtet werden muß, das Rollenspiel , der Gattungsbegriff, ein Vergehen und Ankommen, auch so  finden sich Sara und C. in der Kueche wieder, gestrichen in intensivstem Rot, welches sich wie ein kleiner Speer in die Stirn bohrt: Das geht tief und macht schwindeln.
Auf dem Kuechentisch, an den sich C. setzt, tummelt sich Zeug, diverses Zeug, Messer und Gabel, weißes Papier, eine Packung Schmiergelpapier, geschlossen, eine Packung Binden, geoeffnet ( und zwar heftig und in groeßter Eile ), die blaeßlich weiße Kanne, die Sara einmal von Graham geliehen bekam und ein Paeckchen Streichhoelzer.
Sara sieht sich das kurz an, was C. beobachtet, Suche nach einem System, ohne Erfolg.
Einen Tee ?
Was fuer welchen hast Du ?
Sie kramt in dem rosanen Schraenkchen, das in die Wand gezimmert ist, raeumt einiges beiseite und raeumt einiges heraus, zum Rest auf den Tisch.
Sie schließt das Schraenkchen und stellt sich an den Tisch.
Sie sieht auf die verschiedenen Sorten Tee, stehend, er auch, allerdings sitzend, manche sind in Folie, manche in kleinen Behaeltnissen aus Plastik oder Metall, manche vol, manche nahezu leer. C.  nimmt sich eine kleine metallene Schachtel, oeffnet sie und riecht an dem Inhalt.
Ein ziemlich starker schwarzer Tee, ich mag ihn nicht so besonders gerne
Er sagt nichts , schließt  die Schachtel und guckt weiter, findet gruenen , gelben, roten, schwarzen, fruchtigen wie herben wie seichten Tee und entscheidet sich letztendlich fuer einen Kraeutertee, der wie eine Hustenmedizin riecht.

Sich am Tisch gegenuebersitzend faellt die nackte Birne und ihr fahles Gluehen auf Saras
geroetete Augen. Sie hat nicht viel gesschlafen heute nacht, sagt sie irgendwann, der Tee schmeckt nach Bettruhe und 40 Grad Fieber, und sie reibt sich die Augen, die davon noch roeter werden.
Siehst geschafft aus.
Bin ich auch.

Sie finden sich einen Moment spaeter auf der braunen Cordcouch wieder, hingeflaezt , als haette man die Luft aus ihnen herausgelassen, wie die Pinsel und das beschissene Bild,
die Feinmotorik wie die Hirngespinste nehmen ihre Auszeit und der Geruch des Tees gibt
einen transparenten Teppich, der sich in Ecken und Fugen der Wohnung stiehlt.
Ich war nicht sonderlich erfolgreich heute, sagt er
Ich auch nicht, sagt sie

Sie lehnen aneinander,  Grenze aus Fleisch und Knochen, fließen ineinander, ohne das sie je glaubten, das es moeglich waere, fließen, verschmelzen, und doch tun sie es, fuer eine Zeit, einen Blick, eine Angst, eine Gaerung, keine Zeugen, aber Geschehen, die Bewegung der Stoffe, hin oder weg, vor oder zurueck, ja oder nein. Prophezeiung, jeden Tag, jede Sekunde unausgesprochen, aber erlaubt und selten, nur selten zensiert.
Wohinwuerdest Du gehen, wenn Du fliegen koenntest ?
Sie sieht ihn nicht an , nur die Worte blinzeln einschmeichelnd, wie das Licht von draußen inzwischen nur mehr Schemen der Welt zulaeßt  und der Tee sich warm verteilt, wie sich ein Meer ausbreitet, gleichmaeßiger Fluß…

…………………….

Totale Projektion wird kuenstlerische Erfahrung gebnannt, und diese totale Projektion ist eine Identifizierung mit dem in Frage stehenden Ding. Ich gebe Euch eine Vorstellung. davon, als Beispiel. Im Zen ist es dir nicht erlaubt, auch nur einen einzigen Zweig zu malen, ehe du nicht dieser Zweig geworden bist.

Ich vermute, der Anruf muß Cavanaugh so im vergangenen Dezember erreicht haben, in den Tagen in denen sie Aria in die Klinik gebracht haben. Die Chefin der Galerie hat eine ziemlich erstaunliche Art , sich Eindruck zu verschaffen, in dem sie ihre Klienten, und seien es nur potentielle fruehmorgens oder in der nacht anruft.
Sie ist eine verrunzelte zweiundfuenfzigjaehrige Frau, die mit Vorliebe absurde Arrangements aus Rot und Blau traegt, himmelblau, was erstaunlicherweise Chloe`s Lieblingsfarbe ist. Wuerde Andy Warhol noch leben, haette sie seine Factory llange verpfaendet und ihn vergewaltigt.
Cavanaugh lag im karierten  Schlafanzug auf seiner  Couch, las etwas von Dickens und bekam nahezu einen Herzinfarkt vom Klingeln des
Telefons.Es ist ein sehr alter Apperat mit Drehscheibe. Das ohrenbetaeubende Klingeln verdoppelt sich in Cavanaugh`s parkettenen Raeumlichkeiten. Bevor er den Hoerer abnimmt sieht er meist noch in die Augen eines alten Mannes , den er einmal aus dem Gedaechtnis gezeichnet hat. Das Bild haengt ueber dem Telefon und die Augen sind rotunterlaufen.

……………………

…gerinnt ueber die parkettene Struktur des Bodens. Cavanaugh steht da, laeßt seinen Blick wechseln zwischen dem , was er geschaffen hat in den vergangenen Stunden und dem unintendierten Werk, das sich zu seinen Fuessen offenbart. Foetus Style. Einige Augenblicke zuvor hat er den Pinsel fallenlassen, unwillkuerlicher Akt der Auflehnung, reines Nein,. ist einige Schritte zurueckgetreten und betrachtet seitdem einen Haufen Scheisse, fuer den man ihm womoeglich viel Geld geben wird. Schreien wuerde nichts helfen.

so
wie er da steht,
sieht er aus wie ein Priester,
ganz in schwarz

sieht durch den Raum, spuert die Stille , Farbtoepfe, grellilluminierte Tuecher und diverser Kram sind seine Zeugen, schweigende Zeugen, auch von der folgenden Penetration, Vernichtung, die das Stueck Leinwanddreck der Bodenminiatur ein Steuck naeher bringt.
Die Tuer des Ateliers faellt besonders laut ins Schloß, was Frost zwei Etagen hoeher zur Kenntnis nimmt, Schreber in Valiumumnachtung weniger und kurze Zeit darauf schlaegt Cavanaugh die kuehle Abendluft ins Gesicht, wie eine leichte Backpfeife. Erfrischend, belebend.
Der Weg koennte direkt zu Sara fuehren, tut es aber nicht, ein umherschweifender Cavanaugh atmet tief Leben ,
zieht vorrueber an Schaufensterscheiben, Reklametafeln, die ihm billig und dumm erscheinen, spuert sich in Bewegung, die wegfuehrt von dem Ekel, der im Atelier lauert. Ein Auftrag entledigt von aallzugroßer mentaler Anstrengung und doch ist gerade das Moment der reinen Handlung, Destruierung, Zeitigung der Idee, das Bild_machen, herausbefefoerdern der Phantasmen, Kreaturen, Zeit-Gleit-Bewegung…all das ist die Kunst, seine Kunst.

wohin fuehrt mich das ?

Er ist vielleicht 190 cm groß, hager, traegt ein in Brauntoenen kariertes Sakko .
Die Strassen der Stadt sind geometrisch genau geschnittenen Parallelflaechen, Synchronlaeufe, A fuehrt zu B, B zu C, A zu C, ein hermetisches Gebilde, das die Orientierung leichtmacht, weswegen sich Cavanaugh sehr haeufig verlaeuft. Er haßt Orientierung.

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