Leichen ( Last Edit )

Von
einer
anhaltenden
Verwirrung
über
die
Künstlichkeit

der

Wirklichkeit

alle Räume sind in Bewegung

( innen
wo außen nicht hinreicht
zie ziwe zwie
gespraech )

so eine Art Prolog

Sinn
Gestalt
Gestaltensinn
ganz unverbindlich ruhen
so als wollte jemand sagen, er könne es nicht gewesen sein,
ein Unbehagen
eine Präsenz
Kontingenz

Nichts von dem was folgt wird geschehen, genauso wenig wie etwas von dem, was vorgibt geschehen zu sein, je Geschehen war, Ereignis, einprägsam, Aufzeichnung, im Sinne von Wiederaufbereitbarkeit und kleinen Gerinnseln, die in das Blickfeld tropfen, ohne das man da ernsthaft von Bildern sprechen könnte.
Der Prolog als Illusion des Beginns, dem man ein Ende macht, um anfangen zu können, die Kulisse mit Geistern füllen , Unmengen Kaffee und Literatur und Schreie aus dem Hof und verstohlene Blicke und Druckerschwärze und die Schreibmaschine, die nicht mehr da ist, aber deren Anschläge nachhallen.
Die Erzählung als Wirklichmachung einer Künstlichkeit oder besser, das Künstliche als Ort des Wirklichen, das
Zusammensetzen von Zeug zu neuem Zeug und Zusammenhänge die zu Zusammenhängen sich zusammenhängen, ohne das auch nur erahnbar ist, was für ein Durcheinander das wäre, alles zu sehen und alles zu spüren.
( Echtzeit )
Die Existenz wird geleugnet und doch wimmelt es von Personen, die schon Leichen sind, ehe sie auch nur eine Geburt erfahren konnten, Zeichenwesen nur, die aus Wörtern gemacht, in solche zerfallen, inkonsistent und
bar der Eigenschaften, dieser Idee der Ganzheit, der Grenze, der Berechenbarkeit und Sinnmachung.

Wo sie nachhallen, leben sie.

Ein Anruf erweckt die Leichen, niemand wird erfahren, wer da den Schöpfer gibt, aber die Räume werden in Bewegung kommen, und die Suche, nach den Namen, der Erinnerung und dem rosafarbenen Mädchen
bringt die Systematik der Unordnung zum rotieren.
Ein Haufen Blaetter im Herbststurm.

kein Beginn, wo kein Ende sein kann

( I. ) L E I C H E N

1.) erster Tod
( digital ist besser )

Der Mensch soll zu 80 % aus Wasser bestehen, was bedeutet, dass das Meer überall ist .

7.23 Uhr .
Das Hospital liegt da wie ein verwunschenes Schloss.

Eine Stille, als haette man den Ton abgedreht.

Gabe betrachtet den Schatten, der sich die gelblich verfärbte Massierung der Betonklotzwand hinaufzieht.
Sein Schatten.
Wie lange wird er brauchen, alles zu verschlucken?
jetzt
vom gepflasterten Grund zur Front aus bräunlichem Massiv, Gestein, Gebirge, darüber kriechen und Schleimfährten legen, übelriechende Insekten zertreten, an der Grenze innehalten und einatmen.
Strahlendblauer Himmel.Keine Wolken oder Luftkissen.
und
durch langen, gewundenen Korridor aus sämig grellem Weiß zu einem Ort, der nicht der eigene ist,
innehalten, sehen,
innehalten und sehen ( die alte Frau hinter dem Rezeptionstischchen hat ihn gegrüßt, als wäre er schon häufiger hier gewesen. Sie hat nicht nach seinem Namen gefragt, nur aufgesehen, den Arm gehoben, wieder absinken lassen, den Arm wie den Blick).
dramatische Antiseptik .
kein eigener Ort.
für niemanden.

Ein absurdes Gefühl , zu beantworten, ob man den Toten gekannt hat .

Das müssen sie ihn fragen, sagt Gabe dem Mann, der ihn mit einem Lächeln aus Prothese und Steinbruch begrüßt, seltsam kalte Hände, die Druck ausüben, aber woanders.

Jetzt, zu diesem spezifischen, völlig blödsinnigen Zeitpunkt ist der Tag erfüllt von verschiedenen Erinnerungszustaenden.die in grobkörniger Bildhaftigkeit über den vor Gabes Augen enthüllten Körper wie über eine Leinwand flimmern.
( ist so , als würde sich ein Haufen Menschen in einem engen stickigen Korridor sammeln, in dem Luft und Licht aufgebraucht sind, und warten, das man sie hereinbittet. )
dazu ein frühzeitig unterbrochener Schlaf und Schafe im Traum .
Liz Taylor und Richard Burton lassen sich undeutlich auf zwei Fotografien erkennen, die an der Wand hängen eingerahmt von einem gelblichen Weiß, das droht, einem die Pupillen zu zersetzen.
……….
Es hat einen Anruf gegeben , den Hörer, der seltsam schwer und erstickend an Gabes noch verkrüppelt schläfrigem Ohr klebt, Klänge, die sich nur träge decodieren lassen, eine männliche Stimme, wie aus einem Agentenfilm und die irritierende Nachricht über einen Tod .
( Erster Tod und das um eine Uhrzeit, wo die Korridore in die Hölle doch sicher noch nicht geöffnet haben. )
Das ist sicher ihr erstes Mal in der Pathologie, mutmaßt der Mann vom Fach und Gabe nickt. Alles ist migränesk und blass, wie gespült und nicht abgetrocknet, ein schmieriger Schleier umgibt Körper und Sinngehalte.
Gabe hat nach einigen Augenblicken Kopfschmerzen von dem seltsamen Leichengeruch, stechend, trotz einer Menge Deodorant, die der Mann durch den Raum trägt.
Eine heilige Maria baumelt um seinen Hals, die vielleicht lächelt aber wahrscheinlich nicht, das ist bei diesem Licht schwer zu erkennen.
Gabe fragt sich, ob sie ihm in irgendeiner Form hilft, die Maria die da baumelt.

Ein rosanes Leichentuch.

Grabpoesie.

in der Dauer der Zeit, deren Bedeutung sich möglicherweise nicht auf das Begriffspaar Sein-Nichts als letztem Bezugpunkt des Sinnhaften, alles Sinnhaften und alles Gedachten, alles Menschlichen beziehen muss, stellt der Tod einen Punkt dar, aus dem die Zeit all ihre Geduld bezieht, ein Warten, das sich der Intentionalität des Wartens verweigert, ( … ) : der Tod als Geduld der Zeit .

a) (Elias, Elias Glass)

Wie heißt er, fragt Gabriel mechanisch.
Elias, Elias Glass, sagt der Mann, klingt biblisch, finden sie nicht? und sieht zu Gabe.
Kann sein sagt Gabriel.
Unentschlossen sieht er sich um, derweil der Mann vom Fach mit seinen Augen den toten Körper abscannt.

Die Augen des Pathologikers sind wie tiefschwarze Perlen, nur lebendiger, flexiblere Materie ( Anflug von Ekel )
Diese Augen haben nichts Behagliches.

Der Leichnam , das leicht weißliche Gesicht des Toten, liegt so ruhig da, das man vermuten könnte, er sei gar nicht tot, als könnte es sein, er würde nur kurz ausruhen. Das dieser Schlaf nicht enden soll, hat etwas seltsam beruhigendes, eine Melancholie, die in diesem fortgesetzten Schweigen in Gabe Einlass findet.
Eine Melancholie , der er nachspürt durch die Korridore, die das Früher mit dem Jetzt verbindet, dem nachspüren , was dieser Mensch, den er da sieht, was dieser war, ist, gewesen sein könnte, alles bleibt verschwommen und für den Augenblick verborgen .

( Gabe, Gabe Grlcsz, nicht wahr?
Gabe nickt.
Wo sind die Vokale geblieben?
Ich weiß es nicht. )

Ist Gabe eine Abkürzung? fragt der Mann und reibt sich die Hände ohne erkennbaren Grund.
Ja ……eine Pause, ein kleiner blauer Fleck auf einem Bildschirm……für Gabriel
Ein Tropfen des fahlen Deckenlichtes fällt auf die Lider des toten Körpers, das es kurz so ist, als würde er blinzeln.
Ist auch biblisch, oder?
Ich denke schon, aber ich habe… damit kenne ich mich nicht aus
Womit?
der Mann reibt weiter seine Hände, aber verlässt plötzlich und ohne die Antwort abzuwarten den Raum.
Erleichtert wendet sich Gabe wieder der Leiche zu.

Gabes Augen ruhen auf dem schmalen Antlitz.
Kein Tod, der Sinn machen würde.
Kein Tod und doch
und
d o c h
aber kein ( kein ) neues Gebären, anderer Zeit, einer Erinnerung, verspielter Gedanken,
kein Polaroid von ihnen in Pfadfinderuniformen oder im Urlaub am Strand
Kein
kein neues Gebären…

Schwungvoll tritt der Mann vom Fach durch die stumme Schwingtuer und sagt nichts.
Ich könnte kotzen, sagt Gabe
Den Korridor runter die erste Tür rechts, wo ein blauer Punkt drauf ist
Der Waschraum erfüllt von antiseptischer Stille, niemand hier noch auf den Gängen, man könnte denken, sie hätten nur für ihn geöffnet. ( Kafka ? )
Die Wände sind alle säuberlich rein, nur an einer Stelle nicht.
In krickeliger Schrift hat da jemand geschrieben. sie sollten die Wirklichkeit nicht überschätzen.
Gabriel erinnert das an etwas, aber er weiß nicht woran.

zu erinnerndes, was sich fühlbar zeigt ohne deutbar zu sein, ortlose Stummheit, die etwas umzingelt, was nicht da als vielmehr einfach ist.
Das Gefühl eines gleichmäßigen Verschwindens der Körper, die den Menschen erst zeigen, sollte er letztlich rein ontophaenosinnologistisch betrachtet eine Sorge oder ein Glas Wasser sein, hat etwas von Sternschnuppen im Fieber, Gabriel, , der durch die Gänge zurückschwirrt zum Pathologiker, atmet den Duft einer Bühne, die das Verharren des Körpers nicht dulden kann und auch nie dulden wird, dieses Verharren und sich wehren vor dem glücklicherweise Unabwendbaren, der reinsten ABM einer Schöpfung die, wüsste sie wozu sie da wäre, sich vielleicht freiwillig in die Gaskammern führen ließe.
Gabriel, als Platzhalter, value of a variable , fühlt, wie sich das Weiß auf seine Sinne legt und diese beschmiert, nur das es verwischt und nicht formt

a / 1 ) ein Korridor

tut es weh ?
-ich weiß nicht, sagt Anna
sie ist blass und ihre Stimme klingt hohl und von sehr weit weg
irgend etwas klassisches tropft aus einem fernen Lautsprecher
-was ist passiert ?
er faehrt ueber ihr Gesicht, ohne sie zu beruehren, die schmalen Augenbrauen und gruenbraune Augen
-Zwei Typen wollten mich ficken
und es ist schwer, jetzt das Richtige zu sagen, was das denn nun auch sein mag, also haelt Gabe den Mund und sieht sie nur an
Der eine war ein ziemlicher Klotz, hab ziemlich schweingehabt
aber ploetzlich waren da die Maedchen von Mimi und haben die Typen…( haelt inne haelt sich den kopf ) ich habe es eigentlich gar nicht mitgekriegt…

Anna holt sehr tief Luft

………………..

Mögen Sie Brahms? fragt der Mann vom Fach
Nein, antwortet Gabe ein wenig schwach und beschließt, zu gehen.

Machen Sie’s gut, Gabriel.
Geradeaus, dann rechts, dann wieder rechts, durch eine Tür , zwei Stockwerke hinab und kein Mensch und nur Weiß, ein glitzerndes, zehrendes Weiß, ein Verschlucken, neuerlicher Sog .
Die Frau am Ausgang ist jetzt eine Andere, aber sie grüßt Gabe, als wäre sie dieselbe.
dann hinaustreten ( die andere war älter und sie hatte kahle Stellen auf dem Kopf und ein Mal von der Form einer kleinen Wolke )
die Luft spüren (vor der Tür verharrend wie ein Tier, dem das Betreten verboten ist)
Sie lauert und lebt und kriecht in Gabe wie in eine Wohnung, begierig und besetzend.

zurück bleiben diese tiefschwarzen Perlen und ein Körper, der nicht mehr spricht.

Das Skalpell dringt in die gleichmäßige Oberfläche und öffnet sie einen Spalt, so dass etwas auf die Oberfläche tritt und sie neu färbt.
Der Mann vom Fach nimmt ein Zug von seiner Zigarette und sieht zu dem Schatten hinüber, der aus einer Ecke tritt.
Das Loch, das unter die Oberfläche sehen lässt, hat etwas von einem Vorhang und er schneidet noch etwas mehr, macht noch etwas weiter auf und ein Lächeln wird aus seinen Gesichtzügen.
Er nimmt die Buchstaben aus dem Loch, säubert sie und legt sie in eine Mappe.

—-
2 Musika

“well I was talking to a friend
and I was saying :
I wanted you.
and I was looking for you.
but I couldn`tfind you . I couldn`t find you
and he said : hey !
are you talking to me ?
or are you just practicing for one of those performances of yours ?
huh ?”

( Laurie Anderson, Language is a Virus )

ungleichmäßig legt sich die Welt auf Gabe nieder, während an einem anderen Ort ein anderer Mensch einem Traum nachsinnt, der vor langer Zeit schon einmal geträumt worden ist. An einer alten steinernen Treppe warten, hereingebeten zu werden, wissend, dass da niemand ( niemand ) ist, niemand wartet, niemand wird Fragen stellen.
Manchmal hat all das, was man kennt, etwas Unglaubwürdiges …

a ( die Wohnung )

Es ist eine alte Wohnung , keine hohe Decken, dafür splittert das Parkett an diversen Stellen, drei Zimmer, die die eine Küche einrahmen, zwei Kaffeemaschinen, in ständiger Korrespondenz, eine Matratze im Flur, einem langen Flur, indem einige Bilder hängen, an der Decke ein altes Foto von Brigitte Bardot, warum auch immer, und der Schreibtisch, der braun lackierte Schreibtisch, den Koichi einmal vom Müll mitgebracht hat, als hätte er Platz dafür, ein Blickstopper, ein Wadenverletzer, ein Widerstand.
All das ein Arrangement von entrückter Gleichmäßigkeit.
Koichi filmt mit digitaler Technik das Klo und Gabe starrt stumm vor sich hin.
Hinten Vorne DreiZehntel, murmelt Koichi ,
der Künstler Koichi, dies sind die ersten Fotos von ihm, Establishing Shots, ohne das zu ahnen wäre, was aus ihnen wird und das leise, kaum vernehmbare Surren der Kamera und das Schließen der Augenlider über den Pupillen, bar jeder Unruhe, wie eine Zeitlupe, eine Verlangsamung, die nicht sein kann.

Das Fenster in der Küche, einer blümchengekachelten Küche, führt zum Hof.
Es ist eine schmale Küche voller Sachen, voller Hinweise und Spuren, auf das, was ist und sein wird, Zettel, leere wie beschriebene Zettel, die sich auf einer Kommode am Fenster und einer Pinnwand an der lange ausgehängten Tür finden, ein Stapel von Zeitschriften, Filmzeitschriften und Magazinen in einem Regal über dem Küchentisch. Es ist nicht dunkel, das Licht findet seinen Weg durch den Hof geschleust, gefiltert und so glitzern Partikel von Helle auf Koichis Nasenrücken, als er Stunden zuvor in die Küche tritt, verharrt, auf einen Zettel sieht und diesen von der Pinnwand nimmt, einen Namen aufschreibt und einen anderen Zettel an die Wand heftet.
Es geht nicht um die Nachvollziehbarkeit dessen, was geschieht oder auch nicht, jede weitere Genauigkeit ist daher kaum von Belang, die Geschehnisse sind austauschbar, nur die Trägermaterie entzieht sich bisweilen dieser Endlichkeit, aber auch nur bisweilen
in einem Hinterher, einer Erinnerung, die das Ereignis bezeugt, aber dazu ein andermal mehr ( oder auch nicht ).
Eine Küche voller Sachen und mancher sagt, es ist eine schöne, eine gemuetliche Kueche.

Der Hof ist stumm, Mülltonnen, Fahrräder, alte Zeitungen, die sich bündeln und neu formen.

Der digitale Mann Koichi setzt sich zu Gabes Knien und nimmt einen seiner Füsse in die Hand.
Gabe sieht stumm vor sich hin.
Tod meint Zustand.
Fran hat angerufen, sagt Koichi und massiert den Fuß, den rechten, den kleineren
( Es gibt diese Intimität zwischen ihnen, ohne das sie je etwas sexuelles impliziert hätte, was schwer zu glauben ist, aber für sie, die sie sind, einen Ort teilen, kam es nie in Betracht und …nein )
nebenan…
eine Matratze und eine Schreibmaschine, ein unsauber vorgestelltes Stillleben, das jedweder Dramatik entbehrt.

Alle Körper liegen still, der Haufen Wäsche kriecht die Wand hinauf.
Der Blick als erste Zeitigung, einzige Zeitigung..
Koichi macht eine Kanne Kaffee und mischt rote Farbe an, die Gabe und er auf der Wand im Flur verteilen.
Die Farbe verschluckt das letzte Licht.

Was hat sie gesagt? fragt Gabe. Er gräbt seine Fingerabdrücke in die krustig werdende Rotlache, so dass sich Fingergesichter bilden.

Der Schaukelstuhl, der knarrt, wenn man sich auf ihn setzt, sieht unbeteiligt zu.
Er riecht nach fremden Körpern.
Gabe denkt, er sei eine Frau. Koichi denkt sich
nichts dabei.

etwas erkennt man wieder, während es einem doch fremd erscheint und man nicht weiß, wohin mit seinen Gedanken.
die Maria, die an dem Hals eines Fremden baumelt.

ein weiterleben, das weder atmet noch raumzeitet.

———————–

Sie leben seit drei Jahren hier und immer noch sieht es aus, als wären sie gerade eingezogen, als wäre alles noch provisorisch und wartete.
Ein Provisorium und ein Warten, ohne Worauf.
Immer wieder gibt es diese Momente, diese Anfaelle von Aktivitaet, die ihren Grund haben, immer ihren Grund, aber nie wirklich den Zweck, etwas Endgueltiges zu werden ( also: zu sein ) und so, sich festzulegen, eine Entscheidung zu treffen, für eine Farbe oder auch ein Leben.
Koichi und Gabe sind diese Provisorien und wenn man davon ausgeht, das ganz ohne Einwirkung anderer Maechte wie Schicksal oder Außerirdischer Menschen einander finden, waeren sie dafuer ein guter, ein vielleicht ausreichender Beleg.
Stadien oder auch Variationen einer Bewegung des Seins.

Man weiß nicht, keiner von ihnen, heute, jetzt oder fruher, was sie am Anfang einmal gedacht haben, wer sie sind oder sein wuerden, wohin all das fuehrt, was man natuerlich immer fragen kann und Gabe fragt sich, ob er diesen japaner in zerissener grauer Anzughose erotisch finden soll , die Frage nach Vertrauenswuerdigkeit stellt sich ihm nicht und man mag das fuer Magie halten, wenn man bedenkt, was man immer bedenken solte, was auch immer das wsein mag und zwei Tage spaeter, nach einem Marathon von dreißig Sichtterminen zeigt Gabes Zeigefinger auf einer langen Liste auf Koichis Namen und Hallberg macht ein Foto von diesem Moment der Entscheidung, was festzuhalten ist, und draußen perlen Sonnenspritzer ans Fenster, denn es ist heissester Sommer und die Koerper kleben ebenso wie die Hirne und die dazugehoerenden Gedanken, die nicht immer die besten sind, aber Koichi zieht einen Monat spaeter ein und bringt drei große Leinwaende mit und baut einen Projektor im Flur auf, einem langen Flur und fragt man Gabe heute, was er da gedacht haben mag, wird er nur mit dem Kopf schuetteln.
All das geschieht im April 1990 und keine siebenunddrißig Tage darauf feiert Gabe seinen dreißigsten Geburtstag im Kurhaus und jemand sagt, er haete Chloe gesehen, aber niemand kann das bestaetigen, Frannie knutscht einen Kolumbianer, Frost und Hallberg spielen ein Duo mit Klavier und Klarinette

Vielleicht ist das einzige Projekt, das bleibt, der Mensch und manchmal steht Gabe da und schließt seinen Blick um Frannie und sie treten in die Sonne, die sich auf sie ergießt und ein seltsames Gefuehl macht sich breit und das nennt man dann wohl eine Geborgenheit.

establishing shots (1): Zeta & Frost

Ihr Blick gleitet die Waende entlang, kahle Waende, und sie fragt sich, wie es unter der Oberflaeche aussehen mag und die Adern verlaufen. Problematischerweise ist dieses Blut elektrisch, aber das spielt jetzt noch keine Rolle, Zeta dreht sich und hoert auf den Klang, der durch die geschlossenen Fenster dringt, der Mann, der sie durch die Wohnung fuehrt ist leise vernehmbar im Nebenraum am telefonieren und Norman ist noch nicht aufgetaucht, was nicht seine Art ist, aber es ist zu frueh , sich Sorgen zu machen , sie ziehen also bald um und das ist inzwischen die siebzehnte Wohnung die sie sehen und Zeta wird schon uebel bei dem Gedanken, wieder dieselben Fragen und dieselben Unterlagen und dieselben dummen Fressen zu sehen, wobei dieser juenglich huebsche Makler heute ja mal ganz entzueckend ist, er heißt Serafin mit Vornamen und traegt einen Nadelstreifenanzug, was nicht recht passen will, aber auch das spielt keine Rolle, der Klang von der Strasse, gedaempft wie er ist, hat etwas beruhigendes, ein konstantes Klagen der Realitaet und Norman tritt neben sie, was sie nicht erschreckt, denn Zeta ist nicht schreckhaft, traegt einen schwarzen Anzug und sie weiß, das er im Institut war, beim Job, und er griinst sein von zwei Silberkronen verziertes Laecheln und jetzt tritt auch der Juengling zu ihnen, heute muessen sie mal kein Paar sein, das kurz vor der Hochzeit steht, was vorkomt, nicht haeufig, aber immerhin und Zeta sieht aus dem Fenster, waehrend Norman den Rest uebernimmt, was ihr viel lieber ist, sie pflegen diese Art der Arbeitsteilung, er kuemmert sich um die Formalitaeten, und die Wohnung hat dreiundsiebzig Quadratmeter, eine geraeumige Kueche, von der links und recht zwei große Zimmer liegen, Bad und WC separat und ein Abstellraum, irgendwie eine schoene Wohnung, es gibt einen Dachboden, selbst wenn Norman, der im spaeteren Verlauf aller Erzaehlung nur noch Frost genannt sein wird, dabei an Invasionen von Nagetieren denkt.
Alle Wasserhaehne funktionieren und es riecht nicht uebel , die Sonne scheint in alle Zimmer, die Wohnung liegt zur Strasse und so ist die Welt immer praesent und die Lichter der Strasse schimmern auf ihren Gesichtern.
Zeta ist sonst eher eine verschlossene Person, die Art Frauenliebhaberin, aber sie mag, ja bevorzugt diesen Zugang zur Welt und das Beobachten der Fremden, die vorrueberstroemen.
Norman Frost, der Angestellte in einem Bestattungsinstitut, der bisweilen tote Menschen so herrichtet, das sie in einem offenen Sarg liegen koennen, ohne das ueberall Eiter aus ihnen hervorsprudelt, der Schmetterlinge sammelt
einmal mit den Herren Hallberg und Henderson Lowry einen Roman geschrieben hat, indem eine Detektivin namens Van Sant in der Wueste von Nevada die Ermordung von drei Vampiren und einer Kuh aufklaeren muß
und mit Vivienne zusammen ist, seit vielleicht vierhundertzweiundzwanzig Tagen, Vivienne, die fuer einige Zeit mit dem Krebs kaempfen wird und dabei zwar keine Brust, aber alle Haare und eine Niere verliert
dieser Frost steht da mit diesem juengling und fuer einen Moment glaubt Zeta, einen hellen Schein um ihn gelegt zu sehen, als leuchtete er und die Woorte sind egal, selbst wenn der Junegling kaum zu Wort kommt, aber dieser Mann in Schwarz ist ihr bester Freund, selbst wenn das wieder einer dieser Momente ist, in denen auch die Frage auftaucht, wie so etwas passiert, eine zu verwerfende Frage und sie wendet ihren Blick wieder ab
und dann
sind sie auch schon auf der Strasse, ein kraeftiger Wind weht ihnen die Koerper neu und diese Wohnung soll es nun also sein, das entscheiden sie bei einer Flasche Wein, spaeter, kurz nach Mitternacht.
Der letzte Tote hieß Malcolm und Norman denkt, das Gabes Vater so hieß.
Frosts Vater war ein Nazi, was ihn heute nicht weiter stoert, aber es getan hat, frueher, sehr viel frueher und Vivienne hat sich manchmal gewundert, auch frueher, nicht mehr heute, wie gelassen Norman davon erzaehlt hat
und manchmal hat er gedacht ihr zu erzaehlen, das er bei seinen Toten immer auch nach Gravuren sucht, wie die juedischen Gefangenen sie hatten und an Leicheberge denkt und dann versucht er es besonders gut zu machen, ehernvoll, wuerdig, so kitschig das jetzt auch klingen mag.

Ich habe ihn gekueßt, ein einziges Mal, seine Wange war rau und unrasiert

c) Ortswechsel
(Irgendeine Kreuzung.
Ein altes bräunliches Haus .)

DAS Mondlicht tanzt auf den Dachgiebeln , das Treppenhaus ist morsch,die Wohnung im zweiten Stock ist leer bis auf ein Zimmer, welches vollmoebliert immer noch darauf wartet, das jemand zurückkommt und sich seiner annimmt.
Im obersten Bord eines Regals steht ein Buch , zerrissener, ehemals rötlicher Einband, Mißhandlung durch Zeit und Raum , es ist das zweite von rechts in einer Reihe von 18 Bänden . Wie eine Abhandlung über die Anatomie der Tierwelt oder ein religiöses Pamphlet .

Seite 32 , mitte :

b.a) ( erster Korridor )
(( paranoische Wirren ))

Die Agenten einer fremden Macht verfolgen mich in den Supermarkt, was ich genau sehe, wie sie sich bemühen , so unauffällig und unsichtbar auszusehen., aber täuschen können sie mich damit nicht. Mit ihren Stetsons und langen Mänteln erkenne ich sie überall, außerdem ist die Beleuchtung im Markt zu gut. Ich kaufe Käse , Papier und Tee.

Sie hat gesagt, das Elias tot ist, sagt Koichi und Gabe geht ins Bad um sich zu übergeben.
——————————————————– —————– ——- ————-
( markiert …)
Läßt sich als wirklich glauben, denken, was nicht beweisbar zurückzuverfolgen plötzlich einem vor die Fresse gehalten wird. Keine Bilder, keine Erinnerungen, keine Zeugnisse einer jemals geführten, Beziehung zu einem Elias Glass, das unwirkliche Begreifen einer Täuschung, keine Polaroids in der hintersten Schublade und ein quietschender Schaukelstuhl, der klingt, als wuerde er lachen.
Digital ist besser.
Unzeitgemäß zensiert Gabe den Gedanken einer Selbstbetrachtung, erahnt den Atem Koichi`s im Nebenzimmer, der digitale Mann, dessen Körper nach Limonen riecht, dessen Augen so nahe beieinander stehen, das sie zyklopisch wirken. Der digitale Mann.

Auftritt Aria ,
so gegen 15.00 Uhr, nur kurz, unerwartet und verhektet, giert nach Wasser, blaesslich und zu dünn und verschwindet wie erschienen bis irgendwann. Das Gewicht läßt sich heute auf vielleicht 40 Kilo schaetzen und Gabe denkt, das sie dabei ist, zu verschwinden.
Aria spielt Trompete und hatte einmal einen Bruder der sich die Pulsadern aufgeschnitten hat. Er hatte nur einen Arm und war Klavierspieler.

Die Zeit, welche sich nun mehr und mehr als intransparent, dem Einen entglitten erweist, weigert sich geronnen neu ersonnen zu werden, so sieht das Gabe zumindestens, oder jemand hat sich einen blöden Scherz erlaubt. In seinem Körper reifen Chips und Bonbons und er lächelt unablässig.

Sinngefaelle.

Koichi sagt, Fran habe von Lowry`s Ausstellung gesprochen, die im Mai stattfinden soll.
Gabe denkt Fran in gruenen Augen, eine leblose Spiegelung und somit sofort zu verwerfen…
Koichi sagt
nichts weiter und verläßt den Raum.
Das Telefon hat manchmal etwas riesenhaftes, gerade bei Nacht, wenn das Mondlicht drauffaellt.
wie in > Top Secret Schönheit und Ausdauer und Kraft
und , nein.
kein Vorher
Die Skizze ist so Wort wie der Körper Wort ist, somit potentielle Asche und der Scheiterhaufen im Hof und die Streichhölzer ohne Kamin, aber elf Löcher, damit am Ende auch alle weg sind.
Weg, wo nichts war, oder aber doch, der Korpus des Wortes, der, so ausgedehnt, kein Leben trägt und es doch erhält und die Widerrede, die machtlos ist, wo die Aufzeichnungsregime die Ereignisse geschluckt und sie zu Zeichen transformiert haben.
Transformation.

Koichi hat einmal gesagt,
es sei ein seltsames Gefühl, wenn sich das Ensemble lichtet,
die Kulisse einen Moment in den Vordergrund tritt,
um nur wieder verschluckt zu werden.

Seine Augen kleben auf dem Körper eines Babys, das, projiziert , in SchwarzWeiß, die Größe
eines kleinen Wales annimmt, riesenhafte Augen, die wie Scheinwerfer Leben leuchten , rote Masse trifft die spärlichen Haarbueschel, die Fuesse bekommen ein kraeftiges Gruen, etwas komponiert eine Ordnung, die spaeter verschwunden sein wird, um etwas zurueckzulassen, etwas ahnen lassen, vielleicht.
Wer ist das Kind und lebt es noch? Ist es ein Junge oder ein Maedchen ?
Koichi kann sich daran erinnern, das Menschen solche Sachen fragen, wenn sie kleine Kinder sehen, aber vielleicht ja auch nicht. Etwas Traeges faellt Koichi an und er setzt sich auf das Sofa. Es ist aus rosanem Pluesch und die Sonne veraendert es, wenn sie durch das Fenster blitzt.

( Das erste, was Gabe von Koichi sieht, ist eine Reihe von Fotos, lauter Blut und Gliedmaße. )

( v o r h e r )

Was heißt Begehren ?
Gabe schuettelt den Kopf, ein traeges, unwilliges Kopfschuetteln .
Kann ich wollen was ich will oder ist diese Begierde, der Wille, die Intention oder das Interesse nur etwas, was mir widerfaehrt, ohne das ich etwas dagegen tun koennte ?
Koichi spuert, wie die Kacheln in Grau eine Kuehle abstrahlen welche real wie metaphorisch die Fragen unterstreicht

e.a) ( I n t e r m I s s I o n )

Am Ende einer Nacht, die nicht diese, auch keiner der folgenden gleicht oder auch nur aehnelt, gelangt Gabe an ein Wasser, das sich glitzernd durch eine Schicht seiner Schlaefe dort einbrennt , wo nur er sich spiegelt, spiegeln koennte, waere ihm dies moeglich. Hinter sich eine von unruhigem begierigem Schlaf zerzauste Bettstatt, ein Kokon aus Waerme und Flaeche, welches er eingezeichnet hat in die aeltlich, muffige Matratze, nur im Voran, welches auch ein zurueck sein koennte ( aber nicht jetzt, nicht hier ) verharrt er am Wasser , welches den Mond in seine Augen fuehrt, als traete dieser durch ihn hindurch, maechtig und voll , eine Nacht in der es keinen Schlaf geben kann, der kurze Blick zurueck die Versicherung , das noch Zeit ist, das niemand kommt, ihn zu holen, das Wasser zu sehen und zu spueren, das dieses Auge, welches am Grund lauert, sich zeigen wird, wird, nicht jetzt, aber wirklicher als im Traum
( schon jetzt, schon hier )
am Ende einer Nacht, die etwas zuruecklaeßt, was nicht Gabe ist.

f Baker *Scanners * ein Tag , um Dinge zu verschieben

Aus eeieener seltsam unkonkreten Stille, welche im Treppenhaus ruht wie ein Tier aus reiner Transparenz tritt Gabe wieder in die Wohnung, die noch doieselben Gerueche und Klaenge absondert, wie jene , die er vor einigen Minuten ( oder Stunden ? ) verlassen hat, nur das diese sich nicht in Stille als vielmehr einer Pfuetze aus Easy Listening und Farbchemikalie artikuliert. Er haelt inne und das Ensemble laeßt sich glimmend in seiner Brust nieder, wo sich Waerme ausbreitet in Flaechen, wie auf einer Landkarte. Der Kontinent Gabe verharrt, probehalber versucht er noch einmal das Gesicht des Maedchens zu erhaschen, aber es ist ihm irgendwann entglitten, hat platzgemacht fuer ein mehr abstraktes , ein unkoerperhaftes Fuehlen, das ihm nahelegt zu glauben, es habe nichts mit ihr zu tun. Der Gedanke schnuert sich geballt wie ein Wollknaeuel im Magentrakt fest, aber ein kurzer, gezielter Schlag genuegt, um ihn beiseite zu raeumen.
Die Musik ist beruhigend, denkt Gabe, ehe er sich wieder in Bewegung setzt.

Koichi tritt nicht aus seinem Zimmer und ruft nicht nach Gabe.

UND/ODER

Die Tuer faellt leise ins Schloß
Koichi tritt zurueck und legt die Farbe beiseite .Auf dem Boden liegen Dias verteilt.
Diese Verteilung ist nicht Mathematik .
DANN
umdrehen, der Blick in das Regal, die Tat Ausdruck unkoerperhaften Gedankens ein Buch nehmen,
> Zimmertemperatur nicht nicht 0 Glas sprudligen Mineralwassers und auch eine Frage
Willst Du das sehen ? in der Stille und der Schaedel , der sich dehnt…

Sie ist schmal, ein kleiner Schwarm von Somersprossen, der um die Brueste schwirrt wie kleine Kaefer,
eine angenehm blasse Haut, keine anstrengenden Farben, nur hell, sinnlich hell, sich sanft kraeuselnde Schamhaare und seine Hand, die sich naehert, aber langsam und seine Augen auf ihre geheftet
und ankommen, fuehlen, sie fuehlen
einen Schluck von dem nehmen, wie sie ihn gewaehren laeßt.

wieviel von Deinem Koerper begehre ich ohne Dich ?

und spaeter, wenn sie nicht im Zimmer ist, wird er an ihrem Hemd riechen, tief einatmen.
er wird die Augen schließen
Lust ist wahrscheinlich nichts uebermaeßig Tolerantes…

————–

Im Kopf erfindet man sich die Begegnungen, die Koerper, die Gefuehle, die so nicht Ereignis werden und Koichi sitzt da, im Dunkeln und die Nacht glitzert und von irgendwoher gelangen Autogeraeusche und Musik in die Raeumlichkeiten und eine Serie von Gespenstern schwirrt wie ein Heiligenschein ueber seinem Kopf, denn so ist das mit Gedanken und ihrer Zustaendlichkeit, ihrer Zuhandbarkeit, Gespenster, die man nicht fassen und deshalb auch nicht loswerden kann und wird und er denkt an die Frau, die in seinem Bett liegt, an ihre Haut, die er noch riechen kann und an die Serie von Frauen, die er getroffen hat, beruehrt und verlassen , fotografiert und bemalt hat.
Manchmal wundert er sich, wie sehr unbeteiligt er ist, ihnen gegenuebersteht, wenn er an sie denkt oder selbst, wenn er in sie eindringt, wenn er ihnen so nahe ist, wie man sich koerperlich naehern kann, in einem Akt der Gewalt, das Eindringen, das kein Zurueck kennt und etwas ablaedt, auch wenn man dabei ein Kondom traegt, das ist so nicht wieder zurueckzunehmen, dieser Uebergriff.
Naehe und was das heißen soll oder mag oder koennte…
Er steht auf und geht zurueck in sein Zimmer, legt sich neben sie, nicht zu nahe, denn sie strahlt eine Waerme ab, die ihm nicht behagt und so haelt er eine Distanz zu fremden schlafenden Koerpern, das ist die normale Vorgehensweise, seine normale Vorgehensweise, Umgang, Umgehung, von etwas.

9 music from a darkened theatre
( eine Skizze )

Irgendwann trifft man sich, man verbringt Zeit, tauscht Gedanken, Buecher und Lebensskizzen und fickt einander, so oder so.
Eine sich selbst reproduzierende Trivialitaet, eine Perpetuierung von Sinn und Leid.

Nathaniel trifft Sara und sie treffen einander wieder, aber nicht jetzt.
Nathaniels Vater hat einen Buchladen
Nathaniel arbeitet in keinem Buchladen, was Gabriel tun wird.
Gabriel kennt Elias Glass, aber er weiß nicht , woher.
Frannie verliebt sich nicht in Nathaniel, denn er erinnert sie an Gabriel.
Frannie und Gabriel schlafen irgendwann miteinander , aber sie werden nie ein Paar.
Chloe ist eine Erinnerung und doch da.
Chloe ist nicht tot.
Koichi wohnt mit Gabriel zusammen aber nicht fuer immer.
Isobel taucht irgendwann auf.
Die WG existiert laenger als hier steht, aber ich weiß nicht, wieviel.
Chloe erscheint nachdem es die WG nicht mehr gibt.
Aria Zoee Anna sind Eriinnnerungen, aber nicht nur.
Anna ist in Australien und kehrt vielleicht wieder.

Zeta Ophiuchi und Mimi Terrano werden ein Paar, aber spaeter.
Mimi dreht noch Pornos, es ist 1982, fuenf Filme in zwei Monaten, ihre Moese fuehlt sich an wie die Grand Central Station und es sie kann sich die Filme nicht ansehen, da sie erst siebzehn Jahre und fuenfunddreißig Tage alt ist.
Zeta wird die Schule besetzen , eine Woche lang.
Marla Singer und Quinten Quist werden ein Paar.
Henderson Lowry trifft Theresa
und Leopold Maria

Gabriel Simon Crispin und Leopold sind dieselbe Person, aber ich weiß nicht, warum.

Das rosafarbene Maedchen und die Asiatin bleiben namenlos.

ihr alle, leibloser Text.

Text.

10 es gibt nichts und doch alles zu erinnern Februar 1987
( Musik : Aphex Twin )
hier ist woanders

Die Huelle liegt wie zufaellig plaziert im Zentrum des Raumes, so das sie irgendwie korrespondiert mit dem Klang, der sich sehr sehr langsam seinen Weg durch Fugen und Ritzen bahnt. Es gibt keine Moebel, keinen Teppich, keinen Widerstand, so das alles einen Hall ergibt, alles ueber sich reflektiert, zurueckgeworfen und zur-Schau-gestellt Sich findet. In der Ecke dort drueben hat einmal ein Tisch gestanden, von dem man weiß, das er an einen Vater mit einem Kind und einer Frau verkauft worden ist. Nicht das dies jetzt oder irgendwann noch etwas zur Sache taete, aber es ist beruhigend zu wissen, wo man hingehen mueßte, um zu finden, was man erinnert. Man erinnert. Bin nicht so sicher, was das, ja besser, wen das heißt, kein Spiegel um nachzusehen. Sie haben der Wohnung die Kleider geraubt, weder guten noch schlechten Gewissens, vielmehr einfach so, weil es an der Zeit war, hat irgendjemand irgendwann irgendwo gesagt.
Die Huelle dort erinnert an den Raum, der Klang spuert ihm nach, fuehlt, zerrt, lebt an ( in ) ihm, wie laeßt sich das ohne Grenze denken, ohne immer wieder anzurennen . Keine Erfolge. Verstraeut haben sie sich in alle Himmelsrichtungen, auch wenn sie wohl noch immer die Plattform Erde beherbergen, keine Zeit, Nachrichten, Abschiedsbriefe, Entschuldigungen zurueckzulassen, keine Zeit, noch einmal nachzusehen, was uebergeblieben ist, von dem was mal war. Keine Zeit. Schritte hallen und geben kund von einem Seienden, geben kund, heißen wahr, vermitteln, ehe sie wieder verstummen. Stetiges Versterben.
Gegenueber erleeuchtete Fenster, zugezogene Gardinen, Geheimnisse, die besagen, das da etwas ist, was geheim sein kann. Ein voller Raum, wer weiß ?
Die Behauptung, dort existiere etwas, ist eine gelaeufige, ja nuetzliche Unterstellung, Unterstellung, zu wissen, Ja sagen und nichts meinen, erneuter Widerhall, das Wort findet An-Klang, auch wenn niemand spricht, was keine Schmerzeen mehr ausloest, eine Gardine, die sich bewegt, undzwar nicht von Geisterhand, weckt da viel mehr Interesse, der Koerper, der zur Veranederung des materiellen Kontinuums schreitet, nur um in voelliger Belanglosigkeit zu verharren bis zum naechsten Umzug, den auch niemand bemerkt, die Moeglichkeit inoffiziellen Seins, das Sich Fuer-Sich-Selber aussagt ist erlaubter aber mit dem Status Quo der emotionalen ( devotionalen )
Degeneration unvereinbarer Glaube. Die Waende variieren ihr Weiß, sie insistieren auf Identitaet, selbst wennn keiner Notiz nimmt, und doch jemand dies getan hat, sich einschrieb, in gleichmaeßiger Fließ-Streich-Bewegung ,
Spuren zuruecklassen und warten, das die kommen, die sie finden. Warten, gefunden zu werden.
An einem Fenster erscheint eine junge Frau. Sie traegt keine Bluse, koennte es aber getan haben. Sie wirkt entkleidet, selbst wenn sie nicht nackt ist, aber doch ausgeliefert, den Blicken eines anderen, die sich durchfressen wie der Klang, der fuer einen Moment innehaelt , um kurz Luft zu holen. In diesem dissonanten Moment des Wechsels von Klang-zu-Stille-zu-Klang hebt sie ihre schmale Hand, vielleicht greift sie nach etwas, vielleicht sagt sie etwas, wortlos, eine Geste, die sich stummig hinausbegibt, um Unsagbares zu sprechen. Sie sieht und weiß.
Welt ist draußen, hier und dort.
Richtet sich der Blick hinab, ist der kahle Boden leicht glaenzend, das Licht schimmert daran, die hoelzernen Ritzen und was darin zurueckgeblieben ist, an Unrat, Fusselfauna, jeder Zwischenraum eine Form von Schlucht,
eine Moeglichkeit der Flucht, nicht nnur nach innen, nicht nur von hier nach dort und immer fort, nicht nur.
Genau betrachtet ist das nicht von Belang, die Konferenz der Foeten findet am Morgen nach der Taufe statt, das ist so geplant und niemand nagt am Imperativ der Bestimmung. Die junge Frau verschwindet. Sie ist nurmehr blaesslicher Abdruck , der kein rechtes Negativ abgeben mag. Sie , noch so ein Raum, nicht zu betreten, ohne Verletzungen zurueckzulassen , ein Uebergriff, der immer auch bewußt macht. Ein Schmerz, der bedeutet.
Das Licht erlischt, andere Gardinen bleiben geschlossen, die Raeume unsichtbar, erahnt, geglaubt. Vergangen.
Nichts was wahrgenommen je gewesen. Steter-Zweifel-und-auf-die-Knie-fallen-und-Hallelujah, Amen, Vater-und- zum-Teufel-noch-mal-ihr-alle-da-immmmmm-Himmmmmmmmellll………..

Die , die hier waren, noch neulich, erinnerbar, sind fort.
Die, die hier waren, noch neulich, erinnerbar, sie kommen nicht wieder.

Nichts ueber.
D a .

Gabriel legt den Fueller weg,, einen alten Fueller, den er in der Schublade gefunden hat unter einem Block mit unbeendeten Briefen und zwei Fotos. Das erste Foto zeigt Zoee mit Aria auf dem Dach des Sommerhauses, das Arias Mutter gehoert. Aria lacht und traegt dazu ein kurzes Kleid auf das Herzen gestickt sind. Sie blickt Gabriel durch das Bild direkt an, als wueßte sie etwas.
Das zweite Foto ist veerschwommen. Anna winkt .
Sie steht am Strand. Sie ist in Australien angekommen.

11) Der alte Mann ( Musik : Del Amitri , Nothing ever happens )

Nathan steht an der Ampel und nichts passiert. Auch spaeter passiert nichts, aber da steht Nathaniel laengst nicht mehr an dieser Ampel, an der anscheinend nie etwas passiert, denn Nathaniel steht nicht zum ersten Male hier und auch wenn jeder Moment eine neuerliche Geburt bedeutet , hier passiert nichts.
Es sollte vielleicht eine Enzyklopaedie gebenvon Ampeln, an denen etwas passiert, aber soweit Nathan es uebreblicken kann, apssiert an Ampeln normalerweise ueberhaupt nichts, gaehnende Langeweile gewissermaßen, aber man steht hier ja auch nicht zum Vergnuegen.
Irgendwann wird es gruen, eine Frau mit dunklen Haaren und einer Rose aud dem Handruecken geht neben Nathan, kurz kann er die Rose bluehen sehen, ein sanftes Raekeln im Glanz der Sonne, wenig spaeter das Verschwinden, der Rose wie der Frau, in eine andere Richtung, eine, die noch Geheimnisse birgt, eine Richtung, in der man vielleicht Ampeln trifft, an denen etwas passiert.

Der Weg ist oft betreten eine Gewohnheit fuer Nathan, er pilgert zu seinem Vater in den alten staubigen Moloch aus zerfressenem Papier, bevoelkert von Figuren, die das Licht scheuen und dort ein Versteck finden, man mag da wild spekulieren, wovor es sie in das Halbdunkel treibt.
Vater heißt Machlas, dessen Vater war ein griechischer Emigrant, die Bewegung ueber dasa Wasser politisch motiviert, mehr gibt es nicht zu erfahren, stochert man herum, aber so sehr interessiert Nathaniel die Vergangenheit auch nicht, Geschichte ist die Erinnerung von Fremden, sagt Machlas, schluckt eine von den unzaehligen Pillen, die er in seinem Schrank hat und vertippt sich auf der Rechenmaschine,woraufhin er einen unverstaenlichen Schwall von Fluechen ausstoeßt.
Nathan steht in der Tuer, verharrt und betrachtet, die Regale, eine Spinne, die sich den Weg ueber die Werke von L bis M bahnt, die kleine Narbe am Hals seines Vaters und ein Mann, der mit kariertem Schal und schwarzem Mantel in einem Bilderbuch blaettert.
Vater dreht sich um, geoeffneter Mund, Willste einen Kaffee, Junge, die Scheißmaschine spielt mal wieder verrueckt .

Das Buch fuehlt sich rissig, aber beruhigend in Nathans Hand an, wie er ueber die Oberflaeche streicht. Hier zu sitzen, den alten Mann zu betrachten, was passiert, nicht nur, weil man sowas eben tut, seinen alten Mann besuchen, was trotzdem viel zu selten passiert und was Nathaniel manchmal ein schlechtes Gewissen bereitet und trotzdem, trotzdem, er weiß seinen alten Mann in guten Haenden, die Menschen kommen zu ihm, ein Ort, um zu sein, unbelaestigt , Geschichten tanzen zu lassen , als waere das nicht trivial .

Siehst Du Sara manchmal fragt der Vater, wartet aber keine Antwort ab, sie war gestern mit Sam hier, sie kommt haeufiger mit Sam hierher, Du weißt doch, Sam als waere das der Code, der alles knickt scahut Vater Sohn an,
der verrueckte Sam, der alte Penner und tatsächlich faellt bei Nathan der Groschen, selbst wenn er manchmal hier ist, hat er ein Haendchen dafuer, Sara nicht zu begegnen. Vater mag Sara, aber Vater mag alle, die seinen Laden betreten .
Also, der verrrueckte Sam, eine alte Gechichte, er rennnt immer in alten karierten Baufaellerhemden rum, war frueher in Amerika, ist aber irgendwann heimgekommen, er hat ein wenig Geld gemacht, aber er flippte aus, schhlug seinem Chef den Schädel ein, einem alten Nazi, und lebte fortan unter der Bruecke, nachdem er nur zweieinhalb Jahre absitzen mußte. Das ist 20 Jahre her, Sam ist heute vielleicht 60 oder 70, Nathan weiß das nicht und eigentlich weiß das wohl niemand, Sam traegt ein alte Fotoalbum mit sich herum und einen Fotoapperat und er macht auch Fotos, vom Wasser es ist so angenehm schweigsam und trotzdem erzaehlt es andauernd interessante Sachen oder Menschen, ich verstehe sie nicht, aber ist das Fremde nicht immer das Spannendste.
Sara, die Heilige, zieht mit Sam um die Haeuser, womoeglich hat sie ihn dazu gebracht , sich haeufiger zu waschen und weniger zu saufen, denn das tut er gerne und oft und mancher ahnt, das sein Verstand dabei schon halb drueben im Zwischenreich gelandet ist. Spielt auch keine Rolle, dürr, groß, in einem grauen dicken Mantel, der staubt und kratzt, mit zerschlissenen, irgendwann einmal elegant gewesenen schwarzen Schuhen und dazu
lange filzige blonde Haare, die seltsamerweise nie ausbleichen, als brenne irgendwo noch ein Licht in Sam.

Sie werden sie heiligsprechen sagt Nathan

12 ) Die Andere
ein Monolog (1)

Ich kenne sie nicht. Niemand kennt sie. Wenigstens niemand, den ich kenne. Sie wohnt im Haus gegenueber.
Ich heiße Gabriel Stromfeld. Ich stelle mir so vor, wie ich in ein Tonbandgeraet spreche, aber es ist nicht so, ich hocke vor dem Bildschirm, die Tastatur auf den Knien balanzierend und der Kaffee ist lange kalt.
Sie wohnt da schon laenger. Ich kann nicht sagen, wie lange `laenger`sein soll, laenger eben. Ich weiß nicht, was sie tut, vielleicht wohnt sie auch gar nicht in dem Haus gegenueber, aber sie erscheint regelmaeßig, der uebliche Ablauf von Erscheinen und Verschwinden., Ankunft und Abschied. Mehr als das weiß ich nicht, aber vielleicht reicht das auch zur Erstellung des Gerippes einer namenlosen Existenz.
Sie, die Andere, ist reine Projektionsflaeche. Sie, der Zustand Mensch, ist nicht mehr, als das, was ich denke.
Ich heiße Stromfeld.
Sie , die Andere, sehe ich aus dem Haus treten. Sie beont ihre Beine durch einen Rock, der ueber den Knien endet, durch die Abwesenheit einer Strumpfhose, rosige Haut und die Art hochhackiger Schuhe, die einen Schmerzen spueren laeßt nur beim Zusehen. Sie traegt so etwas normalerweise nicht, also ist etwas anders, worueber sich spekulieren ließe. Spaeter vielleicht. Ist sie schoen ? Vielleicht, aber ich glaube nicht.
Ist Schoenheit also eine Frage des Glaubens ? wahrscheinlich…
Meine Augen haften auf ihrem schmalen Gesicht, die Augen sind betont, mit Schminke, sie hat einen eher dunklen Teint. Sie hat ein schoenes Gesicht, da bin ich sicher. Was Schoenheit anbetrifft sollte man sich von Zone zu Zone vortasten. Ich muß das .
Ihr Gesicht ist schmal und die Haare tiefschwarz. Lang und glatt und glitzernd und tiefschwarz.
Sie liegen auf ihrer Schulter , was ein angenehemer Ort zum Verweilen ist, wie ich vermute.

Sie traegt immer eine Tasche bei sich..

Ich stehe am Fenster, sehe, wie sie auf die Strasse tritt, das geschieht zufaellig, nicht ungewollt, aber ungeahnt. Ich verharre und sehe sie an. Meine Augen auf sie geheftet. Sie. Soweit sie reicht. Soweit mein Blick ihr folgen kann, ehe sie hinter der naechsten Ecke verschwindet. Manchmal ueberquert sie die Strasse, aber meist verschwindet sie hinter der immergleichen Ecke. Ich denke etwas, wenn ich sie sehe. Ich spuere etwas, wenn ich sie sehe. Was ich da spuere und denke vergeht schnell, wenn sie vergangen ist, wie ein Traum nach dem Erwachen.
Sie, die Andere , geht vielleicht zur Arbeit. Sie hat kein Auto, oder sie parkt es immer um die Ecke, aber vor der Tuer ist immer Platz, also hat sie wohl kein Auto. Sie geht aus dem Haus irgendwohin. Ich stelle mir vor, sie zeiht bei der Areit andere Schuhe an, sie muß den Tag ueber stehen und traegt deshalb bequemere Schuhe, sie koennte etwas verkaufen, irgendetwas, Parfuem vielleicht, Parfuemverkaeuferin sind auf eine gelaeufige Weise attraktiv und auch gut geschminkt, auch wenn sie nicht uebertrieben geschminkt ist, soweit ich das beurteilen kann, von hier oben. Sie ist geschminkt. Sie betont ihr Gesicht. Sie betont ihren Koerper. Sie weiß etwas. Sie weiß, was das macht. Mit anderen. Sie arbeitet vielleicht in einer Boutique, sie ist schick gekleidet, irgendwie modisch, auch hier bewußt. Ich weiß nicht, ob es mir gefaellt, aber es ist reizvoll.
Sie koennte studieren, was moeglich ist, eine echte Moeglichkeit. Heute sieht niemand mehr studentisch aus. Sie koennte etwas kuenstetlerisches studieren oder so etwas wie Jura oder Betriebswirtschaftslehre.
Etwas, womit man irgendwo hinkommt. Irgendjemand bezahlt ihr sicher die Wohnung, aber womoeglich ist es eine WG, aber selbst dann. Die Eltern vielleicht ? Die Eltern bezahlen die Miete und sie geht arbeiten, um fuer ” das Leben ” fluessig zu sein. Moeglich. Eine WG mit einer anderen Studentin, sicher weiblich. Sie sieht aus, als haette sie weibliche Freunde, aber sie hat ihren Sex sicher eher mit Maennern. Wie das aussieht, laeßt sich schlecht beschreiben, aber es sieht danach aus, das muß reichen.
Ich kann nur ahnen in welchem Stcokwerk sie lebt, die Fenster zur Strasse sind nicht ueberall einsehbar, manche haben die Gardinen staendig zugezogen, was die Nachforschungen natuerlich erschwert. Ich gehe allerdings davon aus, das ihre Wohnung nicht einsehbar ist, wahrscheinlich ist sie auf der anderen Seite des Hauses , mit Blick auf den Hof. Sie wird dort ihre Gardinen dann auch zugezogen haben, wenn sie sie zur Strasse hin zugezogen haette. Die Blicke der Fremden. Sie sieht nicht so aus, als verschickte sie Einladungen an Fremde. Sie verschließt sich hinter der Schminke und der Maske, die sie ausflegt, aber die vielleicht ja auch immer da ist. Sie ist arrogant und stolz und dumm und weiß, wie man das nutzt, aber dann ist sie nicht dumm. Ist Intelligenz Anpassungsfaehigkeit oder ist das nur Gerissenheit ? Wohl dasselbe.
Wenn sie hinter der naechsten Ecke verschwindet bleibt eine Leere zurueck, als wuerde ihre Silhouette noch die Luft und den Raum erfuellen. Als ließen sich ihre Umrisse noch erkennen. Der Wind traegt die letzten Spuren davon..

****** ( r u h e . ein danach. )

Nathan tritt auf die Strasse, speurt den Blick des alten Mannes wie eine warme Hand auf seinem Ruecken, vergangene Bilder, die wie Geister um ihn schwirren, andere Blicke, andere Koerper.

Frost liest: i can`t trust the things i see , i can only trust in me
and if the whole world should drop dead
i`ll build my own inside my head

Nathan geht nach Haus, was in einem großen Haus ist, eine große Wohnung mit hohen Decken, die er sich mit niemandem teilt. Er ist lieber alleine .Er denkt daran, Viviene anzurufen, aber er tut es nicht.

*******

Gabriel nimmt die Hand von der Tastatur
Nathan denkt an Sara und seinen alten Mann
Frannie zaehlt Quittungen, die sie auf dem Teppich ausgebreitet hat
und denkt an den fremden Mann aus dem Cafe, der sie an Gabriel erinnert hat.

um Mitternacht schlaegt das raosafarbene Maedchen die Augen auf
und
sagt
Elias

11 b

-Du solltest sie wirklich mal anrufen , sie fragt manchmal nach dir und inzwischen weiß ich nicht mehr, was ich noch sagen soll
-Vielleicht

Ich habe Bilder fuer manche Dinge, es sind keine Folgen von Bildern, die dann Bewegung bedeuten, nein, nein, einfach Bilder, wie eingefroren, selbst wenn sie nicht mal dieses sind, das klingt dann so klar und , naja, ich sehe Sara immer am Wasser stehen vor der Bibliothek, sie steht am Wasser und haelt ein aufgeschlagendes Buch in der Hand und es sieht aus , als wuerde sie lesen, aber sie liest nicht. Das ist es, nichts mehr, nur dieser Moment, der im Gefrierfach meiner kollateralen Ablage dahinvegetiert.

erstes Finale

Ich denke, das erste was M. jemals im Fernsehen gesehen hat, waren die Waltons, aber ich kann nicht sagen, ob das besondere Auswirkungen auf seine weitere Entwicklung gehabt hat. Dieser Moment, der Moment seiner Geburt, sehr ploetzlich, irritierend brachial, stellt man sich ihn vor, wie ich ihn sehe, orchestriert von den letzten Einstellungen einer ” Waltons “-Folge, also am Beginn gleich etwas enden zu erleben, vielleicht koennte das ja doch ein symbolisch ausschlachtbarer Faktor sein, nur so fuer die Zukunft, spaeter, nie jetzt und auf keinen Fall morgen.
Felix und Sara kamen zum Fruehstueck vorbei und Felix hat sich ausgebeten, nicht zu erscheinen. Ich werde diesem Wunsch entsprechen, wer etwas ueber Felix wissen will, muß da mit einem weitaus begabteren Kollegen meiner Person vorlieb nehmen. Ich glaube, es gibt nichts zu enthuellen und vielleicht wird irgendwann auch jemandem auffallen, das es ebensowenig zu sagen gibt.

Ich werde mir gleich die Zaehne putzen und alles wird still sein.
Alles
wird still sein . . .

m o n o l o g

Ich heiße Francine Elisabeth Bartholdy, mein Bruder ist Felix Bartholdy, er ist irgendwann verrückt geworden.
Ich arbeite in einem Café.
Eigentlich nennt man mich immer Frannie aber in Momenten wie diesen nenne ich meinen richtigen Namen.
Ich weiß, das ich in dieser Geschichte eine Rolle spiele und das es keine unwichtige Rolle ist, ich habe Elias gefunden und viel frueher als diese Geschichte habe ich auch Gabriel gefunden, er hieß damals Crispin, aber das spielt jetzt keine Rolle, ich habe ihn gefunden und in den Arm genoommen, man sagt mir manchmal nach, ich hätte etwas Mütterliches und da muß ich wohl gestehen , das mir das beizeiten ganz gut gefällt, allerdings nicht immer, denn es ist sehr anstrengend und auch schwierig, sich abzugrenzen und auch selbst den Trost zu finden. Ich liebe Gabriel und das schon, seit ich ihn kenne, wir haben auch miteinander Sex gehabt und so wie ich das sehe , wird es auch wieder passieren, wenn ich die Zeichen meines Erzählers richtig deute, aber es ist okay so, wir wollten nie eine Beziehung, das wäre dann doch zuviel, die Frage, wer wen zuerst umbrächte hielte die Sache zwar spannend, aber wer außer den Buchmachern hätte was davon, wäre einer von uns nicht mehr unter den Lebenden ? Ich denke, niemand ! Ich habe irgendwann studiert, Philosophie und Germanistik, aber dann habe ich es gelassen , ich fühle mich wohl so, ich arbeite und betrachte die Menschen, wie sie ankommen und verschwinden und mehr ist es wohl auch nicht. Manchmal gibt es einen Mann und da gab es auch mal eine Frau, aber ich lebe alleine und das bleibt auch so, bis ich fünfzig bin, weil Gabriel und ich dann heiraten werden, so wir alleine sind, das vorausgesetzt.
Vielleicht möchte ich Kinder, darüber denkt man dann schon einmal nach, wenn man die dreißig Lebensjahre überschritten hat, aber keinen meiner Verflossenen sehe ich in dieser Rolle, als treusorgenden Vater, guter Sex , aber sonst, nein, ich kann nicht behaupten, das mein Maennergeschmack mir zur Ehre gereicht, es waren Idioten, aber wenigstens habe ich zurückgeschlagen, verbal, keiner war gewalttätig, nur egoistisch waren sie, alle miteinander,a aber ich letztlich ja auch, so gleicht sie sowas aus…

- hallo Koichi, ist Gabe da ?
-Nein, er ist frueh weg, keine Ahnung wohin
-Sag ihm bitte etwas von mir
-Klar
Stille
-Klar
-Elias ist tot
-Das soll ich ihm sagen ?
-ja …….nur das
-Okay
-Okay

Albert lebt seit einiger Zeit in einem Altenheim, er hat aufgehoert zu sprechen, das ist so lange her, das ich es einfach nicht mehr weiß und erklaert hat es auch nie jemand, aber es ist auch egal, er war frueher der Bibliothekar und eigentlich ist er das auch heute noch, denn solche Etiketten haften sehr gut und die Erinnerung ist vielleicht weniger ausdauernd als der Mensch ganz allgemein faul.
Naja, ich besuche ihn manchmal und er schreibt mir Briefe, das kann er noch sehr gut.
Er ist 83 Jahre alt.
Meinen Vater hat er in einen Plastiksack gelegt.
Bei der Beerdigung waren hundertdreiundsechzig Menschen anwesend, das sagt wenigstens die Legende.
……
Ich weiß nicht, wieso Elias da gelegen hat und wie er da hin kam, aber es spielt auch keine Rolle mehr, wir haben ihn weggeschafft. Er hat gelaechelt, was jetzt gelogen klingt und vielleicht luegt mich mein Geist ja an, aber ich denke wirklich, er hat gelaechelt und das nimmt dem ein wenig den Schrecken.

Ich wußte nicht, das Elias einen Koerper hat, deshalb war ich ueberrascht, ihn zu sehen.

( II. ) Polaroids

1.) zweiter Tod

it was me and a gun
but i haven`t seen barbados
so i must get out
of this

Prolog

Fruehling, ein Danach, wenn das neue Licht festgefrorene Datensaetze aus seinem Eismantel schmilzt und sich die Leiber entblaettern, haeuten , ( Mottenkugeln ), den Blick heben, nicht mehr zusammengekauert daliegen wie ein uebergroßer Foetus.
Eine Art Befreiung ebenso wie eine Geburt, der ( triviale ) Lauf der Dinge, der Herr der Gezeiten reitet auf hohem Roß durch Nacht und Wind und wohin sein Hufschlag den Wind treibt da blueht es neu und voller gluehender , vibrierender Farben.
Leben als Comic, als eine von Koichi digitalisierte Bilderplatte oder so aehnlich, wer muß das schon so genau wissen und
wo ist eigentlich Gott ?

Er steht da , waehrend die noch morgendlich kuehl auf seiner von Stoff verhuellten Haut vibrierende Luft etwas nachzeichnet, und seine Augen, verklebt von Nacht und Ohnmacht gleiten schwindelerregend langsam ueber einen grauen Kasten, der so aller Aesthetik entbehrt.
Als mueßte man das jetzt kennen, als mueßte Er diesen Kasten jetzt kennen, steht er da, verharrend, be-harrend, zu sein habendes Sein oder dergleichen, keine Fragen, die ueber die noch etwas trockenen Lippen rinnen koennten, ebensowenig ein Adressat fuer moegliche ausstoßbare Lautkaskaden.
Keine Verbalerotik, einfach nur dastehen und nichts wissen.

Spuert, wie die Zeit in seinen Handballen gerinnt.

Gabriel besteigt die Treppe Stufe fuer Stufe wie einen Berg, bleibt stehen, verharrt, betrachtet den Himmel , ein wolkenloser Himmel, ein Fruehlingshimmel, es ist schon April, der Winter ist vorrueber und Gabriel traegt ein T-Shirt und ein Sakko, eine Jeans.
Er betrachtet den Himmel und denkt , das keine Wolken am Himmel sind.

Herr Stromfeld, wie nett Sie hier zu sehen, aber wahrscheinlich ist es gar keine nette Angelegenheit , die Sie hierher fuehrt.
Sie laechelt starr, als waere es aufgemalt auf ein Stueck Holz, dieses Laecheln.
Sie hat graue Haare und ein Mal, das wie eine kleine Wolke aussieht.
Ich habe leider keine Ahnung, wieso ich hier bin, aber ich hoffe, es bald zu erfahren eine Gruppe von japanischen Touristen und mehrere Frauen in roten Kleidern kommen die Treppe heruntergerannt und laufen den Krridor hinab, der rechts von Gabriels Standort verlaeuft. Er sieht ihnen nach.
Geruch von frischem Gras aus leuchtendem Gruen, Geschrei, ohne das sich Geschlechter und Stimmen unterscheiden ließen, der glitzernd blaue Himmel, der ueber alldem thront und bisweilen bekommt man eine Ahnung davon, wie es irgendwanhn sein wird, wenn die Menschen aus den Gebaeuden verschwunden sind, die jetzt noch in frischem Lack erstrahlen, wenn die Farben dann verblichen und die Lieder gesungen, alle Messen gelesen und der vorletzte Tote vergraben wurde…
Und sieht wieder die Schwester an
Kennen wir uns fragt er
Nein
Sie laechelt weiter und geht, wortlos.

Menschen sitzen in Korridoren und reden ueber Zeug, Gabriel klopft an eine Tuer, weil man ihm gesagt hat, das er an diese Tuer klopfen soll und ihm faellt auf, nicht das erste mal ( einer dieser Gedanken, die immermal wieder erscheinen, ganz ploetzlich ) ihm faellt auf, das Tueren immer etwas Geheimnisvolles an sich haben und er sieht sich um, trifft Blicke wie Hinterkoepfe und vielleicht ist hinter dieser Tuer nur ein weißer, leerer Raum, vielleicht gibt es keinen boden, vielleicht, ist es das Ende der Welt.

Es steht kein Name an der Tuer.
Ein massiger Mann oeffnet die Tuer.
Eine Maria schlingt sich um seinen Hals.
Die Welt geht auch hier weiter, als Gabriel in das Zimmer tritt.
Ist das ihre sagt und zeigt und fragt Gabriel
Ja, es ist die heilige Maria, sagt der massige Mann. Wenn Sie gut zu ihr sind, ist sie gut zu ihnen.
Er fuehlt mit seinen Augen ueber ihren metallenen Koerper und sieht dabei so falsch aus wie ein Fernsehprediger, als laechelte er einstudierte Saetze.
Er hat seinen Namen nicht genannt und Gabriel denkt, er sollte den Mann nach seinem Namen fragen
Wie heißen Sie ? fragt Gabe

Die Raeume sind voller Menschen, die nichts anderes tun als dazusein, zu reden, vor sich hinzustarren, ohne das es den Eindruck machte, das liefe auf etwas hinaus, sie warteten wirklich auf etwas, eine Schwester, eine Heilung, eine Erloesung oder eine schlechte Nachricht.
Niemand wartet.
Gabriel versucht zu verstehen, was ein junger Mann zu einem kleinen Kind sagt, aber er versteht es nicht.
Nicht, weil sie eine fremde Sprache sprechen. Er versteht es einfach nicht……
Es ist , als wuerden sie die Kulisse fuellen.
Es ist, als waeren sie wegen ihm da.

Der Koerper liegt leblos da, allerdings fehlt ihm der Kopf und das rechte Bein, was Gabriel verhaeltnismaeßig gefaßt aufnimmt.
Er heißt Elias oder besser, er hieß….
Der massige Mann steht massig an Gabriels Seite und fuehlt an seiner Maria.
Elias… Elias,
das klingt biblisch, finden Sie nicht sagt der massige Mann und ein anderer Mann betritt den Raum, mit einer Kappe der L.A.Lakers.
Wahrscheinlich, aber davon habe ich nicht soviel Ahnung
Die Maenner stellen sich nebeneinander Gabriel gegenueber
Also , koennen Sie den Mann identifizieren, kannten Sie ihn ?
fragen die Maenner synchron
Nein

Wieder draußen faellt der Blick zurueck auf das Massiv.
Gabriel entfernt sich und alles wird kleiner.

Augen folgen ihm.
Zetas Hand ruht auf Mimis Brust.

Der Mann mit dem Skalpell tritt in einen dunklen Raum am Ende des Ganges und oeffnet die Tuer.
Das rosafarbene Maedchen sitzt auf einer Kommode und blaettert in einem Pornoheft und die gewaschenen Buchstaben, die an der Wand haengen machen den Eindruck, als wollten sie leuchten.
Der Mann vom Fach tritt auf die Wand zu, nimmt einen Buchstaben und tauscht ihn gegen einen andeeren, wiederholt diese Prozedur, bis er dieses Buchstabenspiel beendet.
Das rosafarbene Maedchen laechelt und verschwindet durch den Lueftungsschacht.
Der massige Mann greift zum Telefon und spricht, ohne zu waehlen, dann faellt er in sich zusammen und einige Sanitaeter holen ihn ab.
*****
Der Regen kommt sehr ploetzlich und fuer einen Fluegelschlag verliert Gabriel etwas von sich, eine Verbindung, kaum klar zu sagen, er stellt sich unter und sieht den Menschen zu, wie sie hektisch Schutz suchen, versucht die Kontakte wieder herzustellen und spuert einer Leere nach, einer Leere, da irgendwo in ihm, in einer Ecke, in die er jetzt noch nicht reicht.
Auf einem Taxi landet ein Adler
und dann
wacht er auf und es ist Morgen.
Sonne,
Vogelgesaenge,
die Realitaet auch nur ein weiterer Traum
irgendwie kuenstlich.
Also.
ich…
establishing shots (2): Cassandra

sie liegt da,
die Wiese riecht nach frischem Gruen, noch feucht von der Nacht, und die Sonne verweilt auf ihrer Brust und fullt sie mit Waerme.
Malcolm steht vielleicht drei Meter von ihr entfernt und sein Kopf wird von den Strahlen der Sonne verdeckt, verschluckt, als waere es ein Ball aus Licht.
Spaeter, irgendwann spaeter ( vielleicht ) denkt sie an diesen Moment zurueck und fragt sich, wie man sich so fragt, was dann passiert ist und wieso es so nicht geblieben ist,
jetzt
laechelt sie, spuert noch seine Haende auf ihrer Haut und die leichten Tritte unter ihrem Bauch, die Ankuendigung des Lebens, das in ihr waechst.
Cassandra trifft Malcolm in einem Club in London, es ist 1960 und es muß Magie sein, denn es ist das Cup Finale, Manchester trifft auf die Gunners und so wird alles von Geschrei und Rauch und Schweiß verschluckt und trotzdem sehen sie einander,
und es gibt wohl diese Augenblicke, in denen man sicher sein kann, einander zu sehen, in denen es eben passiert, aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz und sie treten heraus in die schon dunkle dunkle Nacht und selbst, wenn ihre Lippen sich erst zehn Naechte spaeter treffen werden, ist Cassie ueberzeugt, das sie einen Sohn haben werden, irgendwann spaeter und weil sie ein Kind der psychedelischen Zeitalterung ist, glaubt sie an die Spontaneitaet dieses Gedankens, ebenso wie ihre Freundin Greta an Ufos und Botschaften aus dem Universum glaubt und deshalb jeden dritten Abend eines Monats auf den kleinen Huegel beim Sanatorium steigt, um Ausschau zu halten.

Cassie lebt zu diesem Zeitpunkt in einer WG mit Mario Angelopoulos, einem griechischen Maler, Selma Frank, einer deutschen Philosophin und Fran, einem joblosen Spanier, und das heillose Durcheinander verstaerkt sich wesentlich durch die verzwickten, fuer Cass nur schwerlich zu ueberblickenden emotionalen und diskursiven Verstrickungen ihrer Mitbewohner, aber es sind die sechziger Jahre und ueberall stinkt es nach Beat und Hasch und laufen die Beatles, auch wenn aus Marios Raeumlichkeit staendig Wagner droehnt und Selma ihm deshalb bisweilen eine scheuert und ihn als Faschisten tituliert, dann antwortet er mit einem bizarr-zackigen Jawoll
und so laeuft das Spiel weiter und weiter, ohne das Cassie auch nur bemueht waere, den Ueberblick zu behalten, wo sie selbst grade zwei Affaeren am Laufen hat, mit Sandro Siro, einem schlechten Comiczeichner aus Anatolien und Philmore Griffith, einem englischen Soldaten, der in der Naehe stationiert ist.
( Diese Aufzaehlung von Namen und zweifelhaften Zusammenhaengen soll nicht verwirren ).

Das Zimmer, indem sie einschlaeft, mißt vielleicht dreizehn Quadratmeter, es ist schmal und laenglich, wie gequetscht, aber ihr gefaellt es, sie fuehlt sich noch ein wenig wie ein Kind hier, geborgen, an der Wand haengen zwei Bilder, eines, welches sie gemalt hat, eine Wiese mit gelben und orangenen Blueten und ein Baum, von dem ein Apfel haengt und eine Fotografie ihrer Mutter, ein schwarz weißes Bild und immer mal wieder stellt sich Cassandra die Frage, ob diese Frau schoen ist, ihre Mutter, ist sie, bin ich schoen ? und dann schuettelt sie nur mit dem Kopf und wendet sich ab, als ob das moeglich waere. Auf dem Foto ist die Frau, die Mutter, die Maria heißt, zwanzig Jahre alt, Cassie gibt es da noch gar nicht, sie ist noch in weiter Ferne ( auf der Rueckseite des Bidles steht Sommer 1931 in einer krickeligen Handschrift geschrieben ) und Mutter sieht ruhig, sanft in die Kamera, ihr Laecheln entbloeßt reichlich schiefe Zaehne, sie traegt ein bluetenweißes Kleid, wenigstens kann man sich das in diesem vergilbten schwarz/weiß so vorstellen, und doch, sie ist schoen, weil sie gluecklich aussieht und weil die Katastrophe noch bevorsteht, weil sie Hermann gerade erst kennengelernt hat, in einer kleinen Kneipe in der Alsteraner Gasse und weil sie eine Arbeit hat als Sekretaerin in einer Schuhfabrik.
Weil die Katastrophe noch bevorsteht…
Als Cassie erwachsen ist, wird Maria ihr erzaehlen, von den roten Flecken auf ihrer Stirn, die letzten Spuren von Sarah Behrmann, dem kleinen Nachbbarskind das sie mitgenommen haben bei der Flucht, 1943, durch einen Tunnel und die Kugel aus dem Gewehr, aus dem Dunkel, so ploetzlich, ohne jede Warnung und der Tod und der kleine zerplatzende Schaedel und das Rot auf Cassies Stirn.

Vater stirbt 1939, so ist er nur eine Geschichte, eine Erzaehlung und die Bilder von ihm wie Texte, deren Schrift man nicht lesen kann.

Gabe wird ohne alle Dramatik geboren und die, die er nun ueberlebt hat, wird er in Geschichten kennenlernen.

Malcolm verschwindet 1968 und erst zwei Jahre spaeter wird Cassie erfahren, das er mit einer Brasilianerin durchgebrannt ist, nach Sao Paulo.
Sie geht nach Manchester, wo sie als Naeherin arbeitet und Kleider herstellt, was sie zwei Jahre macht, um dann Ende 1970 nach Freiburg zu ziehen und dort Johann kennen zu lernen, einen Schriftsteller und fuer eine Weile leben sie zusammen und Gabe wackelt durch die Waelder und geht dabei bisweilen verloren, es ist schließlich die Zeit der Freiheit und Ungebundenheit, das so ein kleiner Mensch das alles selbst lernen koennte, aller Zivilisationsschaeden zum Trotz, die aus dem Instinkt die Sozialitaet gemacht haben…

Selbst wenn sie heute so tut, als waere es nichts gewesen, es waren immerhin acht Jahre, die sie mit Malcolm verbringt und wenn auch die letzten drei Jahre nur noch das Festhalten an einer nicht mehr zu erreichenden Idee ist, sind ihre folgenden Beziehungen auch Ausdruck von ihrer Trauer ueber dieses Ende, das so sehr ploetzlich kommt, die gepackten Koffer und ein Zettel auf dem Kuechentisch, also doch Worte, aber keine, die irgendetwas erklaereren wuerden, aber Gabe steckt es besser weg als Cassie, er ist kurz vor seinem siebten Ggeburtstag und Cass scheint es, als haette er die ganze Zeit geahnt, das dies geschehen wuerde und sei nun fast erleichtert, das es so gekommen ist, das er es jetzt hinter sich hat und das warten ein Ende. Er wird nie darueber reden, oder fast nie, wer weiß das schon ( ich sollte, aber tue es nicht… )

Uebeer Johann geraet sie in einen Kuenstlerzirkel und faengt an zu malen, richtig zu malen, wie sie es frueher mal vorhatte, im Gefolge ihrer Mutter, die immer die Landschaften ihrer laendlichen Heimat gemalt hat, in fast grellenToenen, die so nichts Heimisches hatten und dem Betrachter immer das Gefuehl einer Beunruhigung ließen und Cassandra malt Menschen, sie holt sich Alkoholiker oder Penner, Nutten und Polizisten ins Haus und malt sie, verlebte Gesichter, einmal geht sie ins Leichenschauhaus und malt dort zwei Leichen ab, was sie einige Naechte kostet.
Johann selbst veroeffentlicht die Romane Verdammt und Glitzerndes Anderes und einen Gedichtband, Auch betitelt, meist handeln seine Texte von Menschengruppen, die auseinanderfallen und so ist er eine Art Prophet, eine zweimeterfuenzehn großer Prophet, der immer Armeestiefel traegt und sich eine zeitlang mit dem Gedanken, Fremdenlegionaer zu werden.

Cassandra laeßt sich Mitte der siebziger Jahre eine Glatze schneiden, sie erlebt, wie Gabe groeßer wird, in die Schule kommt, sie kaempft gegen ihre Angst, er koennte es nicht schaffen, weil sie ihm kein Halt geben kann, auch wenn sie es tut, ohne es zu ahnen, immer neue Maenner, die Malcolm nie ersetzen, aber Gabe zieht sich in die Stille zurueck, er schreibt, Geschichten, die Cassie nie zu Gesicht bekommt, er bringt durchschnittliche Zeugnisse nach Hause, irgendwann einen Jungen namens Henderson Lowry, der staendig Pferde zeichnet, eines auf ihren Kuechentisch und irgendwann hockt da diese absurde Clique im Wohnzimmer, Henderson und Anna und spaeter Aria und Zoee, ploetzlich eroeffnet er ihr, auszuziehen, er beendet sein Abitur nicht im Schoße der Mutter, sondern in einer WG mit vier anderen Menschen, die ihr so seltsam unwirklich erscheinen, aber sie pasen auf einander auf, sie sieht das, sie erlebt das, ist gern geladener Gast, seit 1978 leben sie schon in Hamburg und hier hat die Odysseee ein Ende, 1980 wird sie Eric kennenlernen, mittlerweile ist sie achtunddreißig Jahre alt, was natuerlich nicht sonderlich alt ist, fuer ein Muttersein und sie malt immer noch, liest viel, was sie frueher nicht getan hat, bevorzugt Thomas und Klaus Mann und arbeitet in einer Galerie.

Liebesgeschichten, geht es nicht sowieso immer um Liebesgeschichten ?
Ich habe mit sechzehn Jahren mit meinem ersten Mann geschlafen, Frank, ein Idiot, es war beschissen, aber irgendwo faengt man an, irgendwie und auch wenn man sich immer einen besseren Start wuenscht, speilt es doch später keine Rolle mehr.
Ich habe Dir zugesehen, wie Du losgezogen bist, wie Du diese Frauen getroffen hast und ich dachte, sie taeten Dir nicht gut, aber ein Jemand hat mir gesagt, das ich Dich sein lassen muß, gehen lassen, auch leiden lassen muß, weil das eben dazugehoert.
Ich habe zwei Bilder von Dir auf meinem Nachttisch stehen und betrachte diese Bilder manchmal, vor dem schlafengehen, auch wenn ich weiß, das diese Bilder nicht mehr Du sind, alt sind sie, vielleicht braucht es einmal neue.

a.
Es ist abend und Frannie schlendert nach Hause, sehr langsam, nicht weil sie muede ist sondern weil sie sich in einem Rythmus spuert, einem Rythmus und das Licht, welches aus einem Fenster der Wohnung auf die Strasse spuelt, in der Gabriel lebt hat etwaas von einer Aufforderung und sie klingelt , aus irgendeiner Eingebung heraus, die Tuer oeffnet sich schwer, weil es eine alte Tuer ist und alte Tueren sich meist gegen derartige Uebergriffe wehren und die Dunkelheit verschwindet hinter der alten schweren Tuer verdraengt vom kuenstlichen licht des Treppenhauses und sie nimmt die Stufen der drei Stockwerke wie man Stufen nach zehn Stunden im Cafe so nimmt.
Er ist nicht verwundert, sie zu sehen, aber Gabe zeigt selten Verwunderung, Ueberraschung, vielleicht weil er die Geschehnisse nicht als solche empfindet, vielleicht ist es auch nur ein Vorwand,
der Mantel drapiert sich ueber Sakkos und einem Regenmantel, gelb, der anzueglich erotisierendem Parfuem ausstroemt und Gabriel, der ueber einem Buch gelehnt in der Kueche sitzt sagt, Koichi habe Besuch
Ist sie sexy ?
Sie riecht sexy
womit das auch geklaert waere
und weil Fran sich auskennt setzt sie Wasser auf, denn ihr ist nach einem Tee, Gabe sieht ihr dabei zu, spuert mit den Augen ueber ihren Koerper und fragt sich, ob eine Intimitaet jetzt eine Option oder ein Begehren, nur ein Gedanke oder ein Verlangen waere.

Francine ist eine schoene Frau.

Francine sagt von sich selbst, es falle ihr schwer, Begehren auszudruecken.

Sieht er immernoch all diese verschiedenen Frauen ? fragt sie und dazu muß man wissen, nicht nur ahnen, das Koichi einen seltsamen eindruck wieder und wieder auf Frauen zu machen scheint, was dann meist in einer oder zwei Naechten Sex endet, in solchen gelben Regenmaenteln, auch wenn die Vermutung fuer Fran immer naheliegt und lag, daß all das irgendwie etwas Beliebiges hat
Ja, aber es werden weniger.

Der Fruehling ist irgendwann gekommen, spuelt durch den Fensterrahmen an einem Morgen im April und etwas glitzert auf der Haut, was durch diese in fernere Kanalisationen dringt, Waerme, die alte Batterien auflaedt, das, was sich versteckt hat, in Hoehlen, in das Licht treten und keine Fragen stellen.
Das alles wird irgendwann Routine, die Riten wechseln wie die Jahreszeiten, die Temperaturen, wie sich Waerme, Kaelte, Naesse auf alldem, was Stoff ist und verbleibt im Verschwinden niederlaeßt und in der Rede wie dem Text laeßt sich dann eines vom anderen trennen, was so sonst nicht gehen mag und will und Frannie legt demonstrativ ihren uralten karierten Pulli zurueck in den Schrank, wo er wieder liegen wird, ehe sie ihn in einem Jahr dann neu entdeckt, sie wird ihn waschen, auch so ein Ritus, und sie weiß, das sie irgendwann einmal wird auf die zaehne beißen muessen und den pulli wie manche Jeans ( die mit den drei Herzen aus Glitter auf dem rechten Oberschenkel ) der Altkleidersammlung wird zufuehren muessen, aber dafuer ist sie jetzt noch bereit, Trennungen sind nicht ihre Staerke und doch auch nicht die staendige Gemeinsamkeit…
Francines Wohnung am Ende der Buslinie, am Ende von allem.
Sie hat auch einmal mit vielen Menschen zusammengelebt, unter dem Dach lebten Willis und Selma, die staendig kifften und deren kleiner Sohn irgendwann aus dem Fenster fiel, da haben sies dann gelassen, das kiffen und so lange gefickt, bis Star und Free dabei herauskamen, bloede Namen, fuerwahr, aber es sind ja auch nicht meine Kinder….und wahrscheinlich haben sie die Beiden ueberbehuetet, was nur eine Vermutung ist, niemand fiel mehr aus einem Fenster in diesem Haus und man verbrachte die Sommerabende auf dem riesigen Balkon von
Herrn Flimm, einem duennen, blassen alten Mann, der immer von alten Uhren und Schiffen erzaehlte und am Ende waren alle sturzbetrunken und wankten heim.
Es sind stumme Bilder, die an den Schaedelinnenwaenden kleben und manchmal entfaehrt ihnen ein Laut, nur meist, meist verbleiben sie stumm, begleiten, Vergehen.

Als sie erwacht, hoert sie Geraeusch, in Zeitlupe gelangt sie in aufrechte Position
und wird vom Strahl der Sonne ins Mark getroffen.
Kaelte rinnt durch die Fensterritzen und kurz zuckt sie zusammen, greift ihr Hemd und die Hose vom Schaukelstuhl und zieht sich hastig an.
Es riecht nach Kaffee, eine Verlockung, Verheißung und Schritt fuer Schritt nimmt sie den Flur wie eine Hochebene, einen Berg, etwas, was nicht sicher ist, weil sie nicht sicher ist.

Nein, keine Traeume
und die Geschmacksnervenendungen senden kleine Schocks und sie zuckt zusammen, schon wieder,
Koichi hat eine kleine Leinwand aufgebaut und malt eine Vase
Gabriel telefoniert .
Du arbeitest heute nicht ? fragt er, als er in die Kueche tritt.
Nein, Du ?
Nein
Zeit gerinnt, zu etwas, was in keine Handflaeche oder Datenuebertragung paßt.

2 . ) Frost

Erinnerung ist nicht linear , sagt Frost, der Einkaufswagen ist kaum noch zu bewegen, die Menschen, die durch die Einkaufsparadieskanaele flanieren haben etwas Geisterhaftes, blasse irre Blicke und zuckende Gliedmaßverrenkungen und Zeta , die zwei Laiber Brot wie Babys in ihren Armen wiegt und der Menschenansammlungen von jeher suspekt sind.
Die aus Lautsprechern tropfende Musik legt sich bedrueckend auf Schaedel und Sinne.
Forst erinnert das alles immer an Urlaube, in denen Supermaerkte wichtige Fixpunkte des Ueberlebens bilden, das hier ist natuerlich alles kleiner als in den weitentfernten Regionen, als Australien oder Amerika, gelobtes Einkaufsland.
Warum sagst Du sowas, hier, wo…ach, wieso ? fragt Zeta ungeduldig.
Ich weiß nicht
Es ist alles so kuenstlich hier

Zeta betrachtet sich bisweilen als Ergebnis eines Laborexperiments.

Der Abend ist generalstabsmäßig geplant, man hat Einladungen verschickt und Essen wird zubereitet seit dem fruehen Morgen, Moebel auf den Boden gebracht, Menschen kommen und gehen und Gerueche verschmelzen zu neuen, ungekannten Dueften, betriebsame Interaktionalitaet, nicht hektisch, hoechstens wenn Serano, der Kolumbianer, meint, seine mit etwas gelblichem Pulver angereicherte Mousse au Chocolate duerfe nicht laenger als genaue 456 Sekunden koecheln bei 15 Grad, sonst fliegt das hier alles in die Luft meint man ihn murmeln zu hoeren, aber sonst, alles in Ordnung.
Man erwartet Koerper, viele Koerper, Fremde wie Freunde wie entfernt Bekannte, man erwartet, Frost erwartet, Zeta weniger, sie haßt groeßere Menschenauflaeufe ( knoblauchangereichert ), und spaeter wird man sich wundern, wozu das alles, auf der anderen Seite aber auch nicht…
Frost meint ebenso wie Yvonne, Zeta fehle eine Beziehung, das sind die ueblichen Vostellungen von guten Freunden, die auch mal zur immer falschen Zeit serviert werden und natuerlich haette Zeta nichts gegen sowas, aber woher nehmen wenn nicht stehlen…, woanders kramt Frannie in einem alten Korb nach einem Kleid, das ihr vielleicht mal zur Schulzeit gepaßt hat, manchmal gelangen die in die Schatulle verbannten Bildchen an die Oberflaeche der Hirnmatte, manchmal, recht unvermittelt und auch das hat weniger tiefergehende Gruende als man denkt, verschwoererisch vermutet, letztlich findet sie nur moderigen Geruch und eine Hustenattacke, von all dem Staub,
Gabe dreht sich nach rechts und nach links und wieder zurueck und betrachtet sich in dem alten Smoking, und er denkt, so muesse sich Fred Astaire gefuehlt haben, aber er kann nicht tanzen, was keine Rolle spielt, eigentlich mag er keine Anzuege, aber in manchen Momenten gewinnt der Hang zum Absurden die Oberhand
die alte Schachtel mit Silberpapier ueberzogen liegt da, von der Zeit angefressen und vielleicht verwandelt er sich in ein Schwarz Weiß Bild, wenn er laenger so rumlaeuft
Yvonne hat ein kurzes Telefonat mit Schreiber, einem russischen Verleger, und es haengt in der Luft, das Frost als Geschenk neben allerlei nutzlosem Schnickschnack auch einen Buchvertrag erhaelt, Frost schreibt seit laengerem Kurzgeschichten, die meist um allerlei morbide Dinge handeln
Hallberg und Krueger hocken in einem Jointnebel auf dem Dach eines fuenfzehnstoeckigen Hochhauses, man meint, auf einem Teppich zu schweben
Zeta hat eine Vision von Bergen von Geschenkleichen, ein neues Wesen, das sich ueber sie alle hermacht und sie verschlingt, eine Gaesteschar die nach vorsichtigen Schaetzungen bei vielleicht siebzig Menschen liegen mag, man sollte da vorsichtig sein, ein Menschenauflauf, das Wort bekommt einen gaenzlich neuen Beigeschmack,
wie haben die Nazis das noch gemacht ?

Sinn oder Unsinn solcher Festivitaeten, Muellansammlungen, Arbeitsbeschaffungs und Lebenvernichtungs-maßnahmen, man mag es sehen, wie man gerade moechte, als gaebe es eine Wahl und doch die (Ueberlebens) Notwendigkeit der Herstellung von Schnittstellen,

Natuerlich bewegt sich alles auf etwas zu, aber es ist nie ersichtlich, wirklich, aus der Weite, wie man so darauf zuschreitet, wie es denn aussieht, was da wartet, ausharrt und vielleicht schon gegangen ist, wenn man ankommt.
Die Ankunft, nur um die Spuren zu lesen
und das Licht zu loeschen.
Wir verschwinden.
Das sollten Sie doch am Besten wissen.

——–

Ich muß noch wo hin sagt Mimi
Du kommst aber auch wirklich, ist das klar insistiert Schroeder
Ja ich werde da sein
Wohin willst Du denn noch ?
Ich muß mir etwas angucken , was ich lange nicht gesehen habe sagt sie undeutlich, aber Schroeder fragt nicht nach, auch wenn er neugierig ist.
Die Tuer schließt leise und er betrachtet den Pinsel, der da unbeteiligt auf dem Papier liegt.
Passive Materie.
Ob das beneidenswert ist ?

………………..

Nein
keine Antwort
dafuer mueßte es erstmal eine Frage geben…

………………..

( e. ) chloe + gabe

ich weiß nicht, blaßblau oder so
manchmal ist sie ploetzlich wieder da in einer Form von Aufzeichnung, von der man sich fragt, wo der Schalter ist und wer diesen betaetigt
Ihr Koerper perlt und glitzert´von einer heiße Dusche, so daß das, was sich da auf ihr niedergelegt hat, verbleibt und sich moeglicherweise versucht einzupraegen, welchen Ort es zuletzt bereist hat.
Wieso fragst Du ?
Ich weiß nicht
Auf dem Boden sind Zeitschriften verteilt, Kreuzwortraetsel und tote Persoenlichkeiten , der Hunger in Afrika und verschiedene Huehnchenrezepte….

Frannie betritt den Dachboden, der gehuellt in eine von Flecken zersetzte Dunkelheit nach Alter stinkt, nach Rueckstaenden, nach Dreck, materialisierte Erinnerung, das, was sich ranzig auf den Hirnstraenden ablagert und dort auch mit viel Scheuermittel nicht mehr abzubekommen ist.
Dachboeden sind Geisterorte, verlassene Orte, die nie gaenzlich verlassen auf etwas warten, das Verharren der Materie und des Geistes, Warten ohne Worauf und Frannie tastet sich langsam voran, es knarrt und knirscht und Zeit ist hier auch Staub, ein Gerinnsel, sie hustetm, dann niest sie, der Koerper macht das nicht lange mit
und stoeßt gegen ein Regal, etwas faellt zu Boden
Buecher, zerfressen von irgendwelchen Flugsauriern auf Nahrungssuche und auf einem kleinen Tisch eine Lampe, von der Koichi geredet hat, und Fran nimmt die Lampe und der Lichtstrahl erhellt den Boden partiell in Fragmenten, ein von einer Decke verdecktes kleines Fenster in einer Schraege, aber so recht mag man die Decke nicht beruehren, sie denkt an Star Trek und Zeitreisen, wieso auch immer, alte Fernsehserien, noch solche Hirnbelaege.
Wozu also das Ganze ?
Niemand antwortet, sie nimmt drei Buecher aus einem Regal und orchestriert von einem bedrohlichen Knirschen des Holzes verlaeßt sie den Boden

Zeit gerinnt, nur zu was ?

3 ) M i m i T e rr a n o

Das alles sieht nach verlassener Kulisse aus, ein Theater, das nur mehr von imaginären Taufen, Täuschung und Sinnmarkierungen betrieben, unabwendbar auf den Schiffbruch zuläuft. Nichts über, nichts gewesen, gegenwärtiges VER w e s e n und Zeitgebilde, die außer Hitzeabstrahlung und gelegentlicher peinlicher Beruehrtheit nichts mehr zu bieten haben.
Mimi steht da und denkt, das niemand von damals mehr hier ist, ein vorausberechenbarer Zustand fuer wahr, schon damals, als sie vier oder fünf oder sechs oder zwei Jahre alt war, kalkulierbarer Zerfall, Laternen und ein totemartiger Käfer an der Kreuzung. Das sich Leben in der Materie niederschlägt ist ein niederschmetternder, aber kaum abweisbarer Gedanke, Staub und Gliedmaße, willentliches Gebären eines Todes, der alles einfacher, schneller, sauberer machen könnte. Der alte Herr Chang ist vergangenes Jahr an Lungenkrebs gestorben.
Mimi , in ihren roten Docs , die leicht das Sonnenlicht reflektieren, dem zerfransten Man-
tel aus der Altkleidersammlung, der irgendwie immer noch nach Stalingrad riecht, wie es Nathan einmal so schön gesagt hat. Mimi steht da, in etwa zivilisiert bekleidet und erkennt, daß irgendein Idiot das Ende der Welt verschoben hat, so das den Horizont jetzt eine Duschreklame und ein Einkaufszentrum ziert.
Da soll sich noch einer auskennen, murmelt Mimi.
Das Einkaufszentrum hat etwas von einem billigen Versprechen, du bist nie sieben Jahre alt gewesen , hört Mimi ihren Vater wüten, etwas von Verheißung, ohne das dabei jemand ernsthaft an eine b e s s e r e Welt denken wuerde. Alles billige Kopfscheisse. Der Glaube hat sich zur Sezierung auf dem Gabentisch wiedergefunden und jeder hat mal schnipseln und sich die Finger blutig und gerinnselig machen dürfen, das macht rein, macht sauber, schicke Sanierung von Altlasten.
Den Kopf wendend findet Mimi eine Pension vor, der Eingang sieht noch genau wie früher aus, eine rot gestrichene Tür, natürlich schon blättriger, ein großes >AZunge schmeckt nach Teppichbelag und das Einkaufszentrum droht in firmamentener Sonne zu verschwinden.

Wie läßt sich das Verschwinden denken ?
Wie oft läßt es sich das Verschwinden veschwinden machen ?

Kurz einen Stich in der Magengegend verzeichnen und erkennen , das die Kindheit nur mehr eine Aktennotiz unter dem Stichwort W e h m u t hergibt, etwas verkitschter Gedanke, aber basisorientiert, damit authentisch und so auch wesenhaft legitim.
Mimi ist deprimiert , kramt in ihrem blauweißen Plastiktaeschchen und entnimmt die Packung Taschentücher, von denen zwei herreichen müssen, den einfallenden Traenenfluß zu stoppen…

Die Schritte, die auf Grund treffen, lassen sich hoeren und irgendwie auch den Ort vibrieren, aber so ist das, wenn man Altes betritt und Mimis Augen brauchen Zeit, sich an die Dunkelheit zu gewoehnen, da hat das verzerrte Gewimmer der Treppen etwas von einer Hand , die sich einem entgegenreicht, bis sie irgendwo angelangt, in einem Stockwerk, in das Licht einfaellt wie ein Dieb, das Tageswerk einer zwielichtigen Herkunft , die man Zerfall nennt und doch Schritt fuer Schritt sich dem aussetzen, was lange nicht mehr ist, was es mal erschien, so daß die Traeume von der Vergangegenheit ihre Kleider verloren haben und jetzt so nackt und von Ratten zerfressen dahinvegetieren und keine Ritzereien in einem Baum und keine Schachtel in der Wand, einfach nur der Raum, der Mimi durch die Zeiten traegt und vielleicht riecht es auch einen Moment nach einem Kind, das fuenf ist und frische Waesche und rosige Haut versprueht,
die Speicherung,
die Aufzeichnung der Sinne.
Mehr gibt es nicht zu sehen.
Sie streicht sich durch das Haar und atmet tief ein.
Mehr gibt es nicht zu spueren.
Worauf wartetst Du eigentlich ?

Man meint , jeden Moment mueßte da jemand erscheinen, wie es in Filmen immer geschieht, ein bekanntes Gesicht aus grauer Vorzeit, , ein Jemand, den man zuerst erkennt oder auch nicht und er oder sie sagt dann so etwas wie Erkennst Du mich denn nicht ich bin es doch der die alte … und man ist dann ueberrascht und erfreut, faellt einander vielleicht in die Arme, vielleicht, aber nein, nicht hier, nicht jetzt und Mimi sinnt den Wegen nach, die ihre Schritte durch die Materie beschreiben und sie denkt an das Gesicht ihrer Großmutter, welches sie von Fotos kennt

a ) schneller ruecklauf ( achter Korridor )
Die Halle des Lichts riecht nach Opium.
waeheend Hannes Augen beginnen zu traenen, lehnt sich Krause lethargisch jauchzend gegen ein broeckelnd Stueck Wand, an das weder Licht noch Luft dringt durch einige Schwaden von duftig, betaeubendem Rauch.
Das Nein der Nacht zum Tag , die Leichen, auf vefilzten Decken verteilt und auch irgendwie entsorgt
zur Decke starrend und ein geiwsser Monroe an der Gitarre , zwei Kippen im Mundwinkel
Jonny Panic zueckt die Heckenschere und zertruemmert …irgendwas, durch den Rauch schlecht zu sehen.
Draußen liegt die Stadt, die Organisation von Materie, die einen zu ersticken droht und partiell durch Winkel und Ritzen zu uns dringt, wobei Ignoranz dem Stroemen von Maschine und Mensch manchmal als einzige Moeglichkeit erscheint, den Abend lebend zu erreichen, was natuerlich uebertrieben klingt und doch, irgendwie…doch nicht, denn, wo sind wir sicher und geht das, sicher zu sein, wo jede neue Erfindung auch die einer neuen Todesart ist und wir leben in einer Box, die wir so großspurig Welt nennen, wie Insekten, Insekten, die aneinander crashen und einander zerfetzen. Aggressionspotential.

4 )
( neunter Korridor )
handfleisch

die eine Hand weiß nicht immer, was die andere tut, weswegen sie ihr nicht vertrauen kann und sollte. Das Messer schnellt herab und zerteilt das eh schon tote Tier in Haelften, die einander nicht gleichen, aber denselben Saft absondern, der sich in das hoelzerne Gebrett traenkt. Starres Starren auf die vollbrachte Tat, dann das Aufstoßen, denn was interessiert den Bauch der Triumph des Intellekts. Hoch dem Affekt. Knapp schafft sie es zur Kloschuessel, um Innereien ins Dunkel zu erbrechen.
Was war das ?
der Geruch von eisigem Fleisch
oder
das Gurgeln von durchschnittener Kehle
oder
vielleicht sogar der Tod selber ?
Chloe langweilt sich bei derlei Ueberlegungen und erbricht einfach einen weiteren Schwall saemiger Fluessigkeite, die schon bedenklich duenner werden, der Stromm reißt ab, bald ist sie wieder leer…
Ein Baby schreit durch papierene Waende der Maerz ist noch sehr kuehl, eine olivene Kapuzenjacke haengt an der Heizung.
Foetus.
Kurzer Blitz, gleich wieder abgetrieben.
Chloe weiß, was geschieht, bewegt sie sich jetzt zu schnell, also Zeitlupe, gebettet in das angegraute Weiß der Wand, kontinuierliche Wolkenbank, durch das Fenster glitzerne Sonnenpartikel, die sich auf ihren Augenlidern zur Ruhe begeben. Sie fuehlt den Adern an ihrem Arm nach, tastet, betatstet und spuert, Waerme, der Koerper, der Koerper , der aus – strahlt, Waerme, aus, Sonne, Blinzeln und Blitze, foetale Blitze, Tempo beschleunigt sich und sie streckt ihre Hand aus nach der Wand, bevor das Dunkel sie holt.

Siehst Du, das bist Du, denn Du bist. Nicht. Da.

Eigentlich haben alle alten Menschen faulige Zaehne und ficken ihre Enkelinnen, denkt Simon und denkt Wallinger und denkt Chloe.
Ich muß mich waschen, sagt er und riecht an sich.

Simon ernaehrt sich schlecht, deswegen sieht er einigen Dingen sehr gleichgueltig entgegen. Alles Aminosaeuren. Der Diskurs ist Gebet und Simon legt sich geschlossenen Auges auf den Boden. Geraeusche, die sich durch den Hausflur stehlen und nach Weinen und Lachen, Scheppern und Krachen klingen, machen die Welt voll. Simon erscheint das belanglos und doch wird er bald einen Apfel und eine Banane essen, ganz ohne Hintergedanken.

Bad.

zu heiß oder zu warm oder vielleicht etwas kaelter…….
All die alten Bilder draengen sich einem auf, manchmal, so sehr ploetzlich, ohne das man ihnen widerstehenkoennte und man trinkt von ihnen, riecht und schmeckt sie und weiß, das , was vorbei erscheint,
immer weiter fortexistiert und dazu neigt, einen von der Seite anzuspringen, als haette es die ganze Zeit gelauert.
Die Bilder haben keine Chronologie und die Erinnerung keine Ordnung.
Einiges bleibt, einiges nicht.
Selektion der Spuren….

Frannie wiegt die Buecher, die sie muehselig von einigem Schmutz befreit hat, sanft in ihren Haenden, spuert an ihrem Gewicht, an dem, was sie als Materie ausdruecken und Gabes Blick ruht auf ihr, nicht den Buechern.

5. / 1 so far, so good, so what ?

Koenntest Du Dir vorstellen, sie wiederzutreffen ?
Gabe sieht Frannie an.
Gabe sieht Frannie an.
Gabe sieht Frannie an.
Du hast also keine Ahnung ?

Der Bus ist spaerlich gefuellt, kurz nach 19.00, die Sonne liegt in ihren letzten Zuegen und Gabe zupft zuweilen seinen Frack hier und dort wieder zurecht.

Ich denke schon, das ich mir das vorstellen kann , sagt er, nicht mehr, aber das reicht ja auch, befindet Fran

—–
Serano, der Kolumbianer, den sie wegen Verdachts auf Prostitution eingelocht hatten hockt auf der blauen Space Couch, Joint und Alkohol im Glas und erzaehlt von Ameisen und den Strassen, die sich bereisen, Hallberg zerknuellt Seiten einer Dokumentation ueber Atommuelltransporte, in der Kueche gibt es Pasta , Orange-, Schoko- und Apfelkuchen, Salate und viele viele Spenden, die Menschen schwirren langsam herein, jetzt, um ungefaehr 20.32 Uhr, beginnt es schon unuebersichtlich zu werden.
Eine umfunktionierte Leuchttafel weist den Weg zu Frost,so eine, wie sie Steve Martin in L.A. Story Zeichen gibt, Grußkarten stapeln sich auf der Kommode in Frosts Schlafzimmer, natuerlich Mutter, die mit Amphetaminen vollgestopft immer noch genug Hirn hat, um sich wenigstens dieses eine Datum zu merken, wo sie schon seit Jahren Frost nicht mehr persoehnlich erkennt,
und Vater und seine neue Frau, er 170, sie so ca. 17 , endlich eine kleine Schwester, witzelt Gabe, die immer vollgekifften Kameraden aus dem Zivildienst, die sich geschlossen entschieden haben, endlich selbst anzubauen, weswegen der Karte auch ein Paeckchen beiliegt, die beiden ersten Jahrgaenge, wobei Serano angetan ist und der sollte es ja wissen.

- Wir reden in Huelsen, ist Dir das schon mal aufgefallen und er faehrt fort alss wuerde uns ein Publikum auf die Lippen schauen, sprechen wir in Halbsaetzen undUeberschriften, ein Satz, der alle weiteren eruebrigt und es dann ja doch nie tut, aber so fett kursiv gedruckt sieht es gut aus, wenigstens in der Vorstellung
- die ein Bild ist ?
- vielleicht , vielleicht ist sie das, aber weiter, die Vorstellung
- die kein Bild ist, denke ich sagt Frost und verschwindet in der Kueche, aus der Rauch schwebt
- aber ist das substantiell, macht es nicht alles kleiner und bedeutungslos ?
- natuerlich macht es das Krause mit der Plastiktuete auf der Couch
und Gabe sieht sich um und es ist, als waeren alle Augen auf ihn geheftet und als wuerde er sich im Kreise drehen, wovon ihm schwindelig wird, die Gedanken wie ein Karussel und Gabe konnte nie in einem Karussel sitzen ohne danach zu kotzen, das sich die Balken bogen, der arme Junge mit dem schwaechlichen Magen….

der Abend schreitet voran, wie solche Abende es eben tun, Alkohol wird verzehrt und man fragt sich, ob der Blick, den man erhascht, der einen in der Flanke trifft, so sehr belanglos ist, wie man es nicht wuennscht, aber doch besser, zum Schutze von Leib und Seele, vermutet, denn alles ist Interpretation, der Uebergriff in ein Nichts, das so geheimnisvoll wie entfernt, nie erreichbar etwas weckt, was man nicht sehen und nicht hoeren und nicht abschneiden kann.

Wuerde man sich das alles von oben betrachten koennen saehe man vielleicht mehr, aber so choreographiert sich die Vermengung der Koerper zu etwas, was geheimnisvoll sein kann, Schnittstellen, die sich unwillkuerlich organisieren, das ist nicht rational und nicht von uebergeordneter Hand beeindruckt, selbst wenn auch das reinzudenken waere, aber wozu, alle Raeume sind in Bewegung, Frost ist ueberall und Vivian stellt sich irgendwann fuer eine Minute auf einen Tisch und sieht ihm zu.

Mimi steht am offenen Fenster und sieht sich um, sieht sie an, aber nicht zuuu auffaellig, sieht und um, um nicht aufzufallen, daas geht schon seit mehreren Minuten so, aber vielleicht auch nicht und Gabe bildet es sich nur ein.
Swarf erzaehlt schwule Witze, die man nicht weitererzaehlt und Frost sagt, Mimi sehe eigentlich wie ne Frau aus und nicht wie ne Lesbe.
Und das heißt ?
Ja, bitte, mach Dich zum Affen
man umzingelt das arme Maennlein, in der Kueche, wo es sich bei solchen Gelegenheiten ebenso unorganisiert ballt, oder nicht so und ginge man dieser Ordnung nach ließen sich Fragen stellen nach Seßhaftigkeit, die die nicht so viel quasseln und sich nicht so auskennen streben dem Essen zu, was den Mund vollmacht , aber doch trifft man sich und quasselt, im stehen, im Wohnzimmer sitzt knutschend
ein Mann mit einer Frau, was Vivienne etwas wundert, dachte sie doch, die einizge Hete hier zu sein, aber Irrtum, sie knutschen, als suchten sie in ihren Muendern nach Diamanten, Swarf sieht das, verstummt, sieht sehnsuechtig nach Schroeder um, der an Zetas Backe haengt….
das Bett ist uebersaet mit Klamotten, aber es ist ein großes bequemes Bett
und es sind soviele Menschen da, das Frost irgendwann fragt ob ich die alle kennen soll.

Die Momente, die spaeter fuer besonders, erinnerungswuerdig, ausschlaggebend erachtet als immer neu ergaenzte Geschichten die Raeume fuellen und in ihnen kursieren, kommen meist nicht als solche daher.
Sie schleichen sich an, diese Momente
und als Mimi die Kueche betritt ist das erste, was sie von Zeta sieht, der Arsch, denn Zeta sucht, wuehlt, kramt nach etwas, im untersten Fach des Kuechenschranks und so reckt sie ihren Hintern dem/der Eintretenden entgegen uudn die sieht sich das erstmal an, hoert leises Fluchen und fragt sich, ob sie den hintern jetzt einfach anfassen sollte, aber sie ist ja nicht zuhause, also schaut sie sich das einfach nur weiter an.
runzelt die Stirn und fragt sich, wie so ein One Night Stand wohl waere und wie daemlich der Gedanke eigentlich auch wieder klingt, aber schon stuermen Philmore, Fred und Sirene herein, Zeta fetzt ungeschuetzten Kopfes erschrocken hoch, um kurz darauf einen wilden Schmerz-,Fluch-,Schrei-Schrei
loszulassen, Philmore lacht auf, er ist fett und glaubt, seine Designerklamotten wuerden schoener, wenn man den Preis aufmalt, Sirene stuermt auf Zeta zu, faengt sich aber einen bedrohlichen Laß Deine beschissenen Lesben Finger von mir-Blick ein und haelt inne und Fred, ja Fred, Fred ist stumm und sagt nichts und geht einfach, Philmore und Sirene folgen und so ist wieder alles in Stille, nur in Zetas Schaedel ist grad Alarm, aber das wird eh nie Ton und so stehen sie da, Mimi sieht die angeschlagene Zeta und die angeschlagene Zeta sieht Mimi und in seltener Romantik entfaehrt Zeta der erste Satz:
Wer beschissennochmal bist Du denn ?

Durch ungefaehr fuenfzig Menschen die auf einem Raum von 2 x 2 Metern gemuetlich verschmelzen
quetscht sich Frannie, so das sie Gabe unvermittelt von Antlitz zu Antlitz gegenuebersteht und man sieht sich so an und grinst, ich habe Henderson noch gar nicht gesehen entfaehrt es Gabe und Frannie runzelt sie Stirn er arbeitet sehr viel sagt sie und Schroeder kommt vorruebergeschwebt, eine Frau, die wahrscheinlich ein Mann ist im Schlepptau, Haaree bis zum Arsch und Lippenstift kanisterweise, Inszenierung der Billigkeit, aber egal, Gabe hat spontan einen Lachkrampf und Mimi sagt zu Zeta, das sie gut Lust haette, mit ihr zu ficken und tatsaechlich, so sagt sie das, FICKEN Muschilutschen unter meinem Dach ! schreit niemand, aber es waere moeglich….moeglich.

Ein Mann mit einer Kette um den Hals, an der ein Kreuz baumelt und einem Scheitel, der mit dem Lineal gezogen scheint sieht Gabe an, aus der Ecke heraus, neben einem geoffneten Fenster und Gabe bildet sich ein, er sagte etwas, er sagte, nein, fragte, Koennen Sie sich immer noch nicht erinnern ?
Nein sagt Gabe, recht laut, so das Schroeder und Frannie ihn ansehen.
Mit wem sprichst Du ?

5./2 Nach Mitternacht

Hast Du schon einmal einen Toten gesehen ?
Frannie nickt, natuerlich hat sie, aber es kommt ihr doch so unwirklich vor, als waere der Schrecken ein Spiel, ein Geste.
Das Ereignis des Anderen, des Fremden, dessen, was sich in Begriffen nie aeußert und so nur hilflose Zeremonien nach sich zieht, Trauerzuege und ein goßes Buffett, so ist es dioch wenigstens im Kino, und doch, wie Goldblum im ” Großen Frust ” sagt, man macht eine große Feier und der Ehrengast kann gar nicht kommen….

they`ve stolen the moon

der Park bei Nacht ist ein Duft und Knistern, ein geheimnishaftes Unwirkliches, das Dunkel verspricht wahlweise Geborgenheit und Schrecken und es ist diese latente Furcht der Kreatur, es ist der Ast, der bricht und der nackte Ruecken, unter dem das so sehr ungruene Gras schmatzt und lebt.
Bist Du da ?
Mimi`s Augen sind zu Schlitzen geworden, kein Nachtsichtgeraet, aber es wird langsam, keine Stimme sagt etwas und doch hat Mimi keine Angst, Laerm dringt von der anderen Strassenseite, das Gezeter der Gaeste laeßt sich bis hierher hoeren, Mimi denkt, sie koenne einige Stimmen erkennen, aber das ist nur Einbildung, die Vorstellung einer Choreographie von Leibern, von Toenen, von Begierden, wovon sie sich auch nicht freisprechen kann, sie sucht schließlich, die frau, die sie getroffen hat, ploetzliches Verschwinden, trockene Lippen, sie haette ein Glas Wasser trinken sollen, sie moechte sich an diesem Koerper reiben und sie will den nassen Rasen an ihren nackten Bruesten spueren.

-Das ist jetzt der Moment, wo die letzten Hinterbliebenen im Bad knutschen oder kotzen, aus der Couch schlafen oder tiefsinnig etwas von der dritten Welt oder Schuhen faseln
- Exakt.
- Ich konnte mich schon immer fuer die Zivilisation begeistern, schon als kleines Kind, ich will nicht sagen, aber sage es doch: schon als Foetus .

Alle Raeume sind in Bewegung
steht regungslos mit einem dicken gruenen Stift an die Wand gemalt
- Was soll das heißen ? fragt ein Typ mit roten Augen

Das rosafarbene Maedchen erscheint zuerst und zuletzt in einer U-Bahn an einem kalten Monatagmorgen, sie setzt sich Gabe gegenueber und sieht ihn kurz an, taxiert ihn, laechelt, an ihr ist alles rosa und nehmen Sie das bitte woertlich, alles ist rosa und wenn sie geht, ein Hauch von ihrem Leben auf Gabe hinabtropft hat sie sich lange da irgendwo eingenistet, ist sie lange eingezogen, in eine Kammer, irgendwo in Gabe, was man bei einer Obduktion nicht mehr wird heruasfinden koennen.
Wenn sie zurueckblickt, was sie tut, gehend, in Rosa, auf dem Bahnsteig, umspuelt von fremden Koerpern, ist es, als wuerde Gabe getroffen, von was, nein, keine Antwort, weder jetzt noch spaeter, aber auch das spielt keine Rolle, sie ist weg, ein Phantom, ein Farbkleks im Gewebe, gabe faehrt weiter und braucht zuhause zwei Minuten, um die alte Gasheizung zum Laufen zu bringen…

Thats why life is so precious, caus`time passes

Um genau 4.34 Uhr geht der letzte Besucher, es gibt noch einen Rest Tiramesu und einen Salat von Koichi.

Gefuehle sind im oder am am am Koerper verhaftet, das laeßt sich vielleicht mit einer Tropfsteinhoehle vergelichen, der Koerper erinnert, Aufzeichnungsorgan, das speichert, ob man will oder nicht, das eine unbestechliche Symptom , das Vergangenheit geschehen ist und weiter geschieht.

*********

Stunden spaeter, als Fran die Maenner lange verlassen hat, steht sie auf einem Flecken Erde von Sonne betropft und die Augen haelt sie geschlossen, eine Reise, in die Ferne, eine illusion, aber eine schoene, von Geborgenheit, von woanders im hier.
Es geht nicht darum, zu fliehen oder imer zu glauben, woanders sei es besser, sagt sie, zu niemandem und in eine Schwalbe verwandelt verschwindet sie hinter einem Haus…

*******
Das Gedaechtnis, des Einzelnen wie des Kollektivs, neigt zur Ablage in Schubladen, die zwar nicht verschlossen doch ge-schlossen in eine Vergessenheit gedraengt werden, unter Schichten von Staub begraben, nur um wie ein neues Gefuehl darauf warten, gefunden zu werden, Fund ohne Suche, Ent-deckung, Verschwoerung des Bewußtseins, wenn die gefundenen Gegenstaende, laengst vergessene Widmungen in nie gelesenen Buechern, Schriftzuege, die Beziehungen erzaehlen, Frost hockt da und zwei Tage sind es jetzt, nach dem Fest, Vivian, die in der Kueche lautstark Geschirr hin und herrueckt, der Boden des Schlafzimmers ist uebersaet von Stapeln, von Buechern, von Videos, von alten Fotoalben, es reicht bisweilen ein kleiner Anlaß, so das Frost Schubladen und Regale leerraeumt, so das er sich alte Fotos ansieht, seine Großeltern am Strand in Frankreich, Norman in den Armen seiner Mutter, im Krankenhaus nach der Geburt, im Wochenendhaus im Sonnenlicht des Abends, in der Badewanne, dort die Schwester, Margarete, die von einem Auto ueberfahren wird kurz vor ihrem achtzehnten Geburtstag und so weiter und so weiter, Melvin, mit dem er durch Schottland trampt, wo sie den Mann mit der Hakenhand treffen, der ihenen Gruselgeschichten erzaehlt, so glaubhaft, das sie sich nachts aus dem Staube machen und Franka, die ihm den ersten Kuss verpaßt.
Jahre spaeter erkennt man System in diesem Durcheinander von scheinbar zusammenhangslosem Bildern, selbst wenn es kein geplantes ist und was damals dramatisch war ist irgendwann Routine, aus der Leichtigkeit wird aber ebensosehr Schwere, auch hier der triviale Lauf der Dinge
und in die Kueche treten, die warm nach Tee riecht und die Arme um den Koerper einer Frau schmiegen, die Augen schließen und sie nicht mehr loslassen.

6. kontinuum ( ein anderer Anfang )

sie sieht nicht so aus , wie ich sie erinnere, was andererseits aber auch sehr unklar ist, das so zu denken, da ich es eigentlich nicht weiß, wie sie in meiner Erinnerung aussieht und ob man da ueberhaupt von Aussehen wird sprechen koennen, aber, nein, sie liegt da und sie verstroemt diese Ruhe, das hat sie frueher nicht getan, so ruhig, Nein.
So ruhig ist sie damals nicht gewesen
Was heißt das, sich erinnern ?
Ich habe keine Ahnung , wie sie darauf gekommen sind, mich anzurufen, ich kann mich nicht erinnern, jemals einen Freund oder Bekannten von ihr getroffen zu haben, aber es koennte wohl auch sein, das sie mich irgendwo notiert hat, in einem Tagebuch, einem Adressbuch, so etwas hatte sie bestimmt, so betrachtet, als Aufzeichnung laeßt sie sich immer mal wieder nachschlagen, aber ich werde spaeter fragen, vielleicht aber auch nicht, es spielt nun sowieso keine Rolle mehr…

Sie
Ist Sie das ?

Es gibt keine Geraeusche, er steht da und sieht sie an, er heftet sich an die Linien, die ihr Gesicht beschreibt, als waeren sie ein Text, den man lesen koennte. Manchmal zuckt die Hand vor, aber er beruehrt sie nicht. Ihre Haare sind laenger als frueher, sie hat sie gruenlich gefaerbt, aber das Gruen ist schon fast herausgewaschen. Ihr Koerper wird von einem weissen Tuch verdeckt, aber darunter sind ihre Haende und die zugenaehten Wunden.
Er spuert so etwas wie Neugierde, die allerdings von einer leichten Uebelkeit unterstrichen wird, etwas legt sich physisch wirklich auf seinem Schädel nieder, innen oder außen ist nicht zu sagen und spielt auch keine Rolle, er muß schnell raus aus dem Raum.
Er kotzt
Er geht
Er denkt
an frueher
Frueher…

Sie ist da, wie Menschen eben das sind, ich biege um die Ecke, kann grade einem Fahrrad ausweichen und da steht sie, man haette es auch schon hoeren koennen, aber Autogerausche in der Stadt nehem ich nur selten wirklich wahr, also, eine Frau auf einer Kreuzung, sie traegt keine Schuhe und hat keine Haare, die Arme haelt sie ausgestreckt und ueer ihr schweben Geigenklaenge, der blaue Himmel, ein Sonnenball, sie bewegt ihre Lippen, sehr gleichmaeßig, ein kleiner Mund, sowieso,, sie ist sehr klein, aber das ist in Ordnung, ich denke damals, das sie sehr huebsch ist und das etwas an ihr ist, etwas, was ich kenne.
Das passiert manchmal, das einen etwas beruehrt, ohne das man sagen koennte, wieso das so ist.
Sie hat mich sofort beruehrt.

Kennen Sie sie ?
Ich bin ein Freund
Dann unterschrieben Sie hier .
—————————————————
Sie befeuchtet ihre Lippen mit der Zunge, das tut sie staendig, gleitet mit der Zunge ueber ihre Lippen, schmale Lippen, die aber nicht am verdursten sind, ihre Augen sind es, ganz sicher nicht ihre Lippen und immernoch heulen die Bremsen der Autos, die sich muehen, nicht aus Chloe einen Klumpen roten Matsches zu machen, die Kreation einer Behinderung, der eine Koerper, der das Warten des Ganzen sehbar sichtbar einsperrbar macht, glitzernde Sonnenblitze vom Himmel, bitterer Kaffee, sie geht neben ihm her und stellt keine Fragen, sie setzen sich und sie trinken Kaffee, diesmal einen guten wohltemperierten weichen einschmeichelnden Kaffee.
Die Stahlbabys, die nicht rosten…
Die Polizistin mit der Brille in roter Fassung und dem taetowierten Herzen auf der der rechten Hand, die sie zur Faust ballt, wenn sie redet, als haette sie sich zu wehren oder als waere, was sie sagte, von so außerordentlicher Wichtigkeit, die abends um 18.00 nachhause geht, die Haarspange in die Ecke feuert, sich durch das Haar streicht, kurzes braune Haare mit grauen Straehnen, als wuerde sie zu frueh alt oder haette seltsame Naechte und die Wohnung birst vor Stille, sich im Spiegel betrachtend, vielleicht ruft sie eine alte Freundin an, die vor langer Zeit in eine andere Stadt gegangen ist oder sie liest ein Buch, der Mann, den sie sieht, ruft sie nicht an.
Sie schließt die Augen, atmet langsam und hoert sich dabei zu, reguliert sich, sehen und hoeren und fuehlen, ihre Hand findet ihre Scham, die krauseligen Haare, die ihr vielleicht zu lang scheinen, die ER vielleicht als abstoßend empfinden koennte, aber sie waescht sich haeufig, daß das nicht passiert, zupft ein, zwei Haare aus, ein schneller Schmerz, aber darum geht es hier nicht, findet den weichen feuchten Weg und streichelt mit Mittel und Zeigefinger seine Wand entlang….
Sie verschwindet in dieser Wand, ihre Lippen reflektieren den Kerzenschein, es ist warm und vertraut zwischen ihren Beinen, der leichte Druck, den sie ausuebt, kleine Wellen von Lust und Sehnsucht, die auf Bahnen durch ihren Koerper wandern.Sie wuerde den Mann, den sie sieht, jetzt gerne in sich spueren, seinen Penis in ihr Geschlecht einfuehren, aber er ruft nicht an und sie wird nicht den Anfang machen…

—————————————————

Es kann schon sein das das Licht der morgendlichen Sonne auf ihrem Gesicht glitzerte oder ruhte oder vielleicht auch beides, es ist schon moeglich, aber die Erinnerung, dieses nie und immer ist nur ein schlechtes Negativ, der Kontaktabzug eines verschlingenden Wollens.

sein, existenz, dasein, dauer, transzendenz.

Eine Mauer ist um den Himmel gebaut und die Fenster sind aus blauem Glas.

Wie kann man auf Seite 52 eine Romantik erfinden ?

Frannie tritt aus dem Cafe und der Asphalt unter ihr gibt nicht nach.
Wann hat er zuletzt nachgegeben ?
Zurueckfinden, wie einen Film zurueckspulen, Bilder, die an einem vorrueberwehen.
Zu dem Bild eines Koerpers gibt es einen Namen, der diesen unzureichend, aber so weit es geht, beschreibt.
Ein staubiges Bild.
Franiie tritt aus dem Cafe und
der Asphalt unter ihr gibt nicht nach.
Manchmal sieht man sich um, auch wenn es keinem Glauben entspricht, sieht sich um, nach einem Gesicht, das die Luecke ausfuellen sollte, das eine, richtige Angesicht, eine Reise in diesen Blick
aber heute ist da niemand.

Ich heiße Frannie sagt sie, zu dem Mann, in einem nadelgestreiften Sakko, zerschlissener Jeans.
-Das Gesicht kommt ihr bekannt vor, aber er hilft ihr auf die Spruenge.
-Du hast mir ein Stueck Schoko-Maracuja und einen Kaffee gebracht
-Genau
Es ist eine seltsame Uebereinstmmung, das Erinnern eines Stueckchens Zeit, Frannie hat ein gutes Gedaechtnis, phaenomenal, wuerde Gabriel sagen
aber der haengt mit einem großen nordisch anmutenden Typen an der Theke und mischt irgendwelche Fruchtsaefte, mancher wuerde sich besaufen, aber dieser Mancher waere dann nicht Gabriel
-Nathan
-Hallo Nathan

-Kannten Sie den Toten ?
-Ja

-Werde ich mich in ihn verlieben, sag schon…werde ich ?
Der Schaukelstuhl, beharrlich behaglich knarrend, der Tag laeuft, wie ein Tag laufen kann und Gabe liegt auf dem Boden, die Arme weit von sich gestreckt, Jesus-am-Kreuz-Inszenierung, ja, ja die Dramatologik, aber er sieht auf, soweit der droehnende Schaedel das zulaeßt,
erst die primitive Gegenwart als Ursprung cvon
Hier, Jetzt, Wirklichkeit, Diesesheit und Subjektivitaet
und sich ereignend als elementar-leibliches Betroffensein
ringt dem Ergossensein in das chaotisch-mannigfaltige Kontinuum der Dauer ud Weite
Eindeutigkeit ab.
Fran sieht ihm bei dieser Verrenkung belustigt zu, aber sie denkt auch an Nathan ( der ihr vergangene Nacht zum Abschied, da so an der Tuer stehend, halb gegangen, das Erinnern setzt schon ein, wo das Jetzt noch andauert ) er legt seine Hand auf ihre rechte Wange und gleitet ueber die Haut, die so zu Frannie kommt, so, SICH SPUEREND, eine Ahnung , zu sich selbst,fuer einen Augenblick, der ohne messbare Zeit eine Unendlichkeit anzeigt, vielleicht in seinem Blick, der etwas aussetzt, der wegfuehrt, von hier, allem Hier.
Dann ist er gegangen und in Frannies N´Bauch schaben die Rasiermessermaenner, aber es sind behagliche Rasiermesser,
- aber hast Du nicht gesagt, er erinnert, Dich an mich, wie kannst Du Dich da in ihn verlieben, das waere doch etwas schizophren

Wie lange hast Du gebraucht, sie zu vergessen ?

—————————————————————————- ———–
( morgenhygiene )
Der Kamm wird durch seidiges Haar gezogen, manchmal verhaarend, dringt er zu den Spitzen vor. Die Haare reichen bis zur Schulter und ruhen auf einem weißen Anzughemd, der Traegerin sicher zwei Nummer zu groß. Das Fenster, an dem sie sitzt, fuehrt zu einem Hinterhof. Es ist geoeffnet und der frische Morgenduft der aufgehenden Sonne erfuehllt das Zimmer. Auf dem Tisch neben dem Fenster steht ein Radio, aus dem >Studio 3 Crispin Worte Sinn, vielleicht auch nicht und ja, tatsächlich, sie ist schön, aber das weiß ja offensichtlich jeder andere auch
Gabriel ist betäubt, ob das nun von den wirren Hormonatomen oder zuwenig Schlaf kommen mag, sie, die sie Wort wie Körper wie Duft ist, insistiert mit einiger Deutlichkeit auf ihrer Präsenz, eine Schnittstelle, das zufällige Übereinstimmen zweier Linien, kein Schicksal, nichts dergleichen.
sie ist viel und zuviel.
sie.
symptom,
betäubendes Schwarz, könnte ihn küssen und er würde sie nicht schlagen, so wie sie es vor einiger Zeit getan hat, bei einem anderen Mann, und sie erinnert sich an diesen Film.
Weil er sie küssen will, wegen seines Begehrens oder wegen der Macht und der Angst ?

-Ich möchte etwas kaltes trinken, sagt Gabriel

-Manche nennen mich Gabe, sagt Gabriel sitzend, eine Kola nippend, was nicht sagen soll, er trinke normalerweise Kola, es sagt nur, er nippt jetzt an einer Kola, einige tropfen in einem Zeitenfluß, der vielleicht gar nicht fließt.
-Da
sie, die Schwarze
zeigt auf etwas, in der Kola Flasche,
-DA, eine Amphibie, sehr selten, sie umfaeßt die Flasche und berührt dabei nicht ganz unzufaellig Gabriels Haut, die elektrisiert sich wellt und eine Art Morsezeichen an das Zwischenhirn gibt.
-Sie meinen, ich sollte nicht weitertrinken ? fragt,sagt er noch zuckende Haut nippendes Kulturwesen und
amphibienbewahrender Rächer der Vermehrten und Aufgezeichneten.
-Auf keinen Fall
Es ist ein kleines rötlich grünlich bräunlich glitzerndes Wesen und auf seinem Schwanz ist die Nationalflagge von Bulgarien zu erkennen, wie die da auch immer hingekommen sein mag. grad Bulgarien..
er gibt ihr die Flasche und sie steht auf, stellt sie auf die Fensterbank, wo sie von der Sonne illuminiert
diese reflektiert wie Discoscheinwerfer.
…und vor der Küste von Sao Paulo taucht zur selben Zeit ein U-Boot auf, unbekannter Herkunft und wirft kleine Kola Flaschen an Land…

was sagt das alles über uns ?
ich weiß nicht
nein?
nein, wirklich nicht

(1b) Ich-Zuechtung
* ein Imaginarium*

-Wir sollten ficken, sagt sie und er nickt.
Aus den Boxen tropft ein Song, in dem einer davon singt, L.A. in die Luft zu jagen

Stromberg betritt das Café , ein große Tafel wird von zwei Minderjährigen aus dem Keller geholt und Wetten werden angenommen, ist sie laut, wird sie einen Orgasmus haben oder ist sie eine Spielerin, die diesen nur vortäuscht…

( Wechsel der Kulissen, Umbauphase, Barry Manilow aus den boxen und Cheerleader auf Tischen )

Die Sitze sind in aquamarinenes Stoff gehüllt und der Saal hat sich schon seit geraumer Zeit gefüllt.
Erwartungsvolles Geflüster schwebt über den Köpfen , Mimi stürzt über die Galerie zur Kasse, in die Umkleide,
bricht einem Typen den Unterkiefer, als er ihr den tätowierten Po begrapscht und hangelt sich mit Leiter und Kronleuchter in den zweiten Rang zum Balkon, der den besten Ausblick bietet.
Die Show ist ausverkauft, die Protagonisten noch unterwegs, wie die Beobachtungshubschrauber melden wuerden, wenn es sie gäbe.
Heute abend werden keine Helden , aber immerhin Begierden, Föten und Herzrythmusstoerungen geboren, Mimi Terrano zieht ihr grünes Sakko über und sieht auf die Uhr.

Alle Kameras halten voll drauf und der Tonmann bricht sich fast das Genick, von der Decke baumelnd , als GABRIEL in die schwarze schmale Fremde eindringt, sie hat weiche Oberschenkel und seine Zunge schlüpft in ihr Geschlecht, fliegt über Lippen wie Brüste wie Schenkel und sie zerläuft, zerschmilzt ja unter ihm, als wuerde er mit einer heißen Schaufel durch Berge von Vanille-, Mango- oder Schokoladeneis fraesen
gleißendes Kunstlicht läßt alles nur schemenhaft sein, die Menschen sind nur Beifall und Gejauchze , nur Ton,
er in ihr, leichte stoesse, sie an seinem Hintern, ihre Zunge in seinem Mund, sein Schwanz ihre Möse alles schmeckt und die sinne werden mit einer Glasur triefender Geilheit überzogen, wie das auch immer schmeckt.
mächtig heiß hier und der Kronleuchter tötet zwei Kinder und Lassie, als Gabe und Sie erdbebenartig kommen,
die Scheinwerfer, rotglebblaugruenglitzernd zu Abba Musik aus der Szene ein Psychedelikum machen, klobige
gelbe Menschen mit roten Ohren mit Wasserwerfern in die Menschenmasse spritzen, ein Rasiermesser verschiedene Penisse abtrennt und eine Frau sagt, sie hätte gerne mit Jimmy Carter GEVOEGLET UND DAZU SAXOPHON GESPIELT.

….. sie war da, wie Menschen eben da sind, stand so auf der Straße, zwischen all dem Verkehr, als könnte sie das alles anhalten, so dramatisch fühlte sich das tatsächlich an Gabriel lächelt die schwarze Frau anja tatsächlich, so dramatisch, sie trug keine Schuhe und murmelte irgend etwas vor sich hin, wobei es sehr erstaunlich war, die Menschen schauten nur, niemand machte Anstalten, irgend etwas zu tun, niemand ging zu ihr, die Autos standen so da, als wäre wirklich alles eingefroren, nur sie, ihre Lippen, die nackten Fuesse, über ihr thronte der Himmel, ein blauer Himmel mit diesem riesigen gelben glitzerigen Ball und irgendwann kommen dann doch einige Leute und sprechen mit ihr, sie antwortet aber nicht, vielleicht bemerkt sie sie auch gar nicht, keine Ahnung, ich habe sie nicht gefragt
- Wie war ihr Name ?
- Chloe
- Wie hast Du sie wiedergetroffen ?
- Ich bin auf die Wache gegangen und habe den Polizisten gesagt, ich würde sie kennen, vielleicht habe ich gesagt, ich sei ihr Brüder, aber das ist unwahrscheinlich, ich habe sie mitgenommen, das war sehr seltsam, geradezu surreal
- Hast Du sie geliebt
- Wieso fragst Du ?
- Ist das nicht die wichtige Frage, fragt man das nicht mit einem Finger zeichnet sie ein Fragezeichen in die Luft
- kann sein
- Hast Du
- ich bin nicht sicher

Sie heißt Maria, das sagt sie Gabriel, ehe sie geht, ihre Haare tanzen im Wind und kurz ist ihm schwindelig…………………………ein langer dunkler gang……….
nein, kein Licht

Gabriel liegt auf der Treppe der Bibliothek, der Himmel ist rostig und kahl, und
das rosafarbene Mädchen sagt
-SIE SOLLTEN DIE WIRKLICHKEIT NICHT ÜBERSCHÄTZEN

1c) GABRIEL

Gabriel besitzt zwei Sakkos, Christophe, ein alter Schulkamerad nennt ihn manchmal den Uniformierten, einige sehen in Gabriel einen seriösen Menschen und einige nur einen gescheiterten Intellektuellen, Kleider machen Leute und auch Beute, Sinnbeute, die Nachbarin vertraut Gabriel beizeiten ihren kleinen Sohn an, der keinen Namen hat und auch nur noch zwei heile Zähne, aber trotzdem ein schönes Lächeln besitzt.
GABRIEL wird im Mai 1960 geboren, seine Mutter hat sehr lange Haare zu dieser Zeit und sie gebiert in auf dem alten Sofa im Wohnzimmer, unter einem Foto von Clark Gable und Marylin Monroe, so sind vielleicht die ersten Eindrücke seines Lebens neben Klebrigkeit ein schmieriger Scheitel und ein Schmollmund..
Gabriels Vater bleibt unbekannt, er wird später Dostojewski lesen und seine erste Freundin eine Spange tragen, in der er sich manchmal verhakt, wenn er sie küssen will. Sie erwidert seine ungelenken Versuche, erwachsen zu werden, nicht eben enthusiastisch und er beginnt mit 15 Jahren , Frauen nur noch zu beobachten, manchmal wird er auch angesprochen, was ein mächtigen Schreck verursacht und ihn für geraume Zeit paralysiert, er schläft mit vier Frauen, ehe ihn die Frau aus Schwarz und Pfirsich zerfetzt.
1981 lebt GABRIEL mit Anna, Zoee, Aria und Henderson Lowry in einer Wohngemeinschaft, die sich 1984 in alle Winde verstreut, Aria landet für einige Zeit in der Psychiatrie, Anna verschwindet nach Australien, Zoee arbeitet und Henderson Lowry beginnt zu malen, wovon er leben kann, nachdem er über Frannie einen Galeristen kennenlernt.
GABRIEL lebt in einer Wohnung mit drei Zimmern, einem Bad und einer Küche.
Die Küche hat einen Blick zum Hof.
Frannie liebt den Schaukelstuhl, Aria schreibt manchmal wirre Briefe, aber sie ist nur noch selten unter Beobachtung, Albert, der alte Bibliothekar, hat GABRIEL irgendwann den Job in einem kleinen Buchladen vermittelt und da arbeitet er seit vier Jahren.
GABRIEL ist dreißig Jahre alt und er zerfällt langsam zu Staub.

bei mimi

- war sie so gut ? Mimi kaut auf einer Erdbeere und sieht aus, als würde sie nicht mehr an guten Sex glauben,
Zeta liegt nebenan und zählt die Blumen an der Tapete. Es riecht beruhigend nach Tee ,
es läuft Musik, leise Streicher, ein Klang, der die Sinne wie Gedanken davon trägt, in das Blau des Himmels hinein oder vielleicht, nur sehr vielleicht, denkt man auch nur kurz daran, wieder am Meer zu sein.
vielleicht.
-Ich weiß es nicht, sagt Gabriel, aber das ist auch gar nicht so wichtig.
Am Kühlschrank hängt ein leerer Zettel.
Mimis Hand berührt Gabriels Schulter, nur sehr leichter Druck entsteht, ihre Augen küssen ihn .
-Was ist wichtig ?

flashback

Der Sand ist weich und warm unter den nackten Fuessen, die darin versinken , der Himmel wolkenlos, so das man sich fragen kann, wo das alles endet und ob es das tut, aber vielleicht ist das jetzt ganz nebensächlich,
einfach spüren, sich, zurückkehren an einen Ort, an dem einen die Lasten nichts antun können, einen Ort, an dem das Leben keine Angst macht.
Diese Geworfenheit in eine Welt, die einen nicht erwartet und vielleicht auch nie gewollt hat.
Einige Vögel schreien und der Junge sieht auf.
später schreibt er in ein Buch mit rotem Einband das er sich Flügel machen wird, irgendwann, um dann fortzufliegen.
so wird es sein.
irgendwann.
so wie alles sein Platz findet, liegt auch dieses Buch unberührt in einem Regal in einem Raum , dessen Tür abgeschlossen ist.
Die Worte sind nicht gefangen, sie haben nur ihren Ort gefunden und verharren .

woanders
( miniatur eines nachtkoerpers )

Der wilde tropische Regen, der um Mitternacht über die Stadt einbricht, spült die Straßen leer, keine Nachtexistenzen mehr auf freiem Feld, manche sammeln sich im Herzen Europas, manche in der alten Fabrik, manche im Kino, der Notstand ist nicht ausgerufen und doch findet man sich zusammengepfercht und wohnt einem Ballett aus Blitz und Donner bei, der gelbe Klotz da, sieht von Bliitzen erleuchtet, wie eine Fratze aus, , die Fenster wie Augen, die Tür ein riesig aufgerissenes Maul, ein Schrei oder auch eine Gierigkeit.
Im Herzen Europas, einer Idee, die nicht Materie ist, steht ein alter McDonalds, gelbe und rote Schalensitze,
farbige Spiralen an Wände wie Decken gezeichnet, wenn man zu lange hinsieht, fängt sich einiges an zu drehen , ein psychedelisches Moment…
Im Land der Bekifften und Verlorenen spielt das keine Rolle, ein Zufluchtsort, ein steinerner Ausnahmezzustand,
die kleine Asiatin grinst eingefroren und man ahnt, das sie keine Brüste hat.
” Die Halle des Lichts riecht nach Opium ” hat einer an die Tür geschmiert, das erinnert an etwas, aber es ist noch unklar, woran. Gleich wird jemand einen Hörer an der Telefonzelle vor der Tür abnehmen , denn er wartet dort auf eine Verabredung und ein aufgeregter Mann wird ihm sagen, das die Raketen unterwegs sind.
Natürlich steht da niemand, Anthony Edwards rennt mit Kittel in Emergency Room herum und dies ist nicht die Miracle Mile……..

Gabriel steht am Fenster und betrachtet das Schauspiel,der einschläfernde Klang von Wasser, das auf Stoff trifft, mehr oder minder fest, die Stille, die der Klang entfacht, das Schweigen, da nichts weiter zu sagen wäre, Ehrfurcht vor dem Unabwendbaren
.
Ein Mann wird in zwei Hälften gespalten am Hollywood Boulevard und zwei Hunde verschmelzen zu einer Katze.
wahlweise singt Marylin Monroe die Nationalhymne oder zwei Hubschrauber prallen zu einem Feuerwerk über dem Funkturm zusammen.

hey paapa death come creeping up……..

ein Mann tritt die Tür auf, auf die eingefrorene Asiatin zu, reißt ihr das Hemd auf, ohne das sie sich wehrte
und schreit, kein lautes, urgewaltiges Schreien, nein, ein ersticktes, eine Art Lippenphantomime, ehe ihn die Sanitäter wieder rauszerren.

Schreber und Mimi kauen auf zähen Hamburgern herum, Marla schreibt in ihr Tagebuch, das der Job im Kinderheim sie ankotzt,
Koichi klatscht an einem anderen Ort gelbe Farbe auf eine braune Leinwand
und Frannie scheuert einem fetten Mann einen Teller in die Fresse, als dieser ihr an den Arsch greift.

es ist nicht der Ort, es ist das Ensemble, die Materie ist nicht lebendig und sie wird es auch nie sein.
- wie klug, sagt Marla zu Schreber
- meinst ?
- Nein, Du Arsch. Marlas Laune ist übel, Schreber kramt aus seiner Plastiktasche eine Wasserpistole und eröffnet das Feuer.
Die Asiatin bedient den nächsten Kunden mit aufgeknöpftem Hemd und da da nichts ist, läßt sie es auch den Rest der Nacht offen.
- Eine fleischene Metapher, sagt eine benommene Mimi, wer will schon wissen, was in solchem Fraß drin ist,
ein leerer Raum, ein Subjekt , eine Vermutung und ein Entdecken, das nichts mehr ist, als eine Enttäuschung.
Realität ist anstrengend und idiotisch.
- Ich bin, sagt die Asiatin
- Niemand bezweifelt das, sagt Henderson Lowry, der sich aus seinem Atelier hierhin verirrt hat.

- Was machen Sie hier ? fragt Henderson die kleine Frau die zuviel rot auf die Lippen aufgetragen hat, als würde sie wohl in den Krieg ziehen wollen, und die sich in einem Haeusereingang vor dem Regen versteckt .
- Ich warte
- Worauf
- Auf Sie
-Auf mich ? Wie könnten Sie das, wußten sie das ich hier entlang kommen würde
- Vielleicht
- Sind Sie eine Hexe
-Nein, ich bin eine Nutte und ich würde mit ihnen ficken, wenn Sie Geld zahlen würden, ich würde ihren Schwanz in den Mund nehmen oder in meine Möse stopfen, aber nicht ohne Gummi, nie ohne Gummi, denn ihr Typen habt doch von all dem Geficke eh schon alle Krankheiten dieses Kontinents und ich bin schon beschissen genug dran, unheilbar krank fehlt mir grade noch, meine Schwester ist von einem Freier totgepruegelt worden und meine Mutter hat meinen Vater vergiftet und hat mich hierhergeschickt, weil sie keinen Job mehr bekommt.
- Ja
- Also wie ist’s, hast Du Zeit ??

Henderson sieht zum Himmel hinauf, die Tropfen und das Dunkel verwischen alles und machen alles gleich.
Schwarz in Schwarz und flüssige Pfeile, ein zähes ausdauerndes Gebet und

- Wie ist Ihr Name ?
- Teresa
- Darf ich Sie auf einen Kaffee einladen , Teresa
- Ja

- Also ?die Asiatin sieht Lowry an, der ein graues Sakko und eine graue Hose trägt und dessen blonde Haare ungekämmt sind so das sie vom Kopf abstehen, als würden sie die Himmelsrichtungen bezeichnen wollen.
er denkt an Marylin Monroe und wie der Rock hochfliegt in ” Das verflixte siebten Jahr “.
- zwei Kaffee und ein frisches Handtuch
- welche Farbe ?
- grau vielleicht

Die Idee einer Nacht als Klumpen einander überlagernder Koerperfelder, soweit eine Nutte namens Teresa, eine Asiatin ohne Brüste, mehrere Menschen, die nur Namen tragen wie Mimi Schreber , eine Marla, die Tagebuch schreibt, was so einiges aber niemals alles sagt, Frannie, die nicht an diesem Ort ist und natürlich Henderson Lowry, vorläufiger Hauptakteur dieser Miniatur eines Nachtkoerpers.

Teresa verharrt in der Ecke neben der Eingangstuer und beobachtet wie der Regen auf die Straße einredet.

- Ihr Kaffee
sie ist kaum zu sehen, so das Lowry mehr oder weniger ins Ungewisse den Becher reicht.
Es ist erstaunlich, das die Dinge häufig an dem erinnerten Platze verweilen, denkt Lowry. Wir wundern uns über das was ist und was bleibt , über Universalien, Regeln, die immer und überall gelten und dann finden wir trotzdem eine Frau in einer Ecke wieder genauso wie das Stueck Seife, das wir wie immer auf den Rand der Badewanne gelegt haben.
Läßt sich ihr Sein da ernsthaft bezweifeln ?
-Danke

- Hey Marla kennst Du diese Geschichte mit dem Nebel, aus dem Monster kommen ? fragt Mimi Marla, und haucht unterstreichend zwei Rauchringe zur Decke.
- Nein, aber danke fuer den Gedanken. Marla guckt in das Dunkel hinter der Scheibe und stellt sich Augen und große große Arme mit Saugnaepfen vor.
Ein Mann in einem schwarzen Trenchcoat legt seinen Arm auf Marlas Schulter, Mimi schluckt den letzten Bissen,
Schreber liest Immanuel Kant, Lowry streichelt Teresas Gesicht, die sich dieses gefallen läßt, weil es ihr Gefallen bereitet, auch wenn sie nicht weiß warum, und davor ein wenig Angst hat, weil sie das nicht kennt, eine Berührung, die ihr Gefallen bereitet, die Asiatin bedient keinen Kunden und fotografiert Henderson und Teresa und lächelt dazu, aber ohne Eiswürfel, die schmilzen dabei.

Eine unvollständige Miniatur so wie es unvollständige Symbole sind.
Nicht hinreichend definiert,
nie der letzte Gedanke,
nie das letzte Wort
Schnittstellen im Nirgendwoland

die Nacht endet wie der Regen, in Tokio ist ein Flugzeug in einen Wolkenkratzer geflogen und später wird man sagen, es wäre Selbstmord gewesen und man spricht über die Moral und seine Schuld und kann sich fragen , ob das Nachzeichnen all der Spuren, die die Toten zurückgelassen haben, eine Karte der Welt ergaebe…..

eine Karte der Welt.

2 Stadien der Annäherung und des Verweilens

folgen sie mir weiter
bleiben sie nicht stehen
es ist bei Lebensgefahr verboten
sich umzudrehn

Sie singt im Bad, man kann es hören, nicht den Text, nur wie sie pfeift und summt, sie hat eine sehr helle, sanfte Stimme, eine Stimme, die sich anschleicht, sehr langsam und ohne Furcht, die gleitet und sich absetzt, die verweilt an in unter dem, was da spürt.
Sie singt.
Ihr Körper ist sehr gleichmäßig, ihre Hände befühlen ihre Brüste, die Hüften, die nicht zu voll, aber auch nicht zu dünn sind, ein gutes Dazwischen, ihre immer leicht rötlichen Wangen und die langen weißen Haare, die sie nie zum Zopf bindet, weil sie , nein , eigentlich gibt es dafür keinen besonderen Grund, nicht Pippi Langstrumpf oder ihr Vater oder die Verfassung , nur ihre weißen Haare und einer denkt an Ray Wise in Twin Peaks, er wacht morgens auf und die Haare sind weiß, einfach so.
Sie berührt ihr Geschlecht , da , wo es ins Innere geht, da, wo es nichts zu sehen gibt, da, wo es nichts zu fuehlen gibt.
-Ich bin eine Maschine schreibt sie mit dünnen Fingern auf den Spiegel und wischt es sofort wieder weg. Sie hört, ob er vor der Tür steht oder in der Küche ist oder vielleicht auch noch im Bett und sie lächelt und ist beruhigt, das sie lächelt, wenn sie an jemanden denkt, wenn sie an ihn denkt, zieht den Boxermantel an, der sich um sie schlingt , als wolle er sie so fest umarmen, wie es kein Mensch fertigbrächte.

Lowry sagt
-Sie haben eine sehr schöne Stimme
und er streichelt ihr Haar und sie schließt die Augen und spürt.

Sie hat ihn geküßt, zuerst, den Anfang gemacht, schwebt über sich, sieht, beobachtet, wundert, erschreckt sich, sie küßt ihn, das passiert nicht häufig, die Küsse in einer Schatulle aufbewahrt, die sie nicht öffnet, nur Ficken, keine Küsse, nichts offenbaren, als wäre da etwas, die Ahnung, nur leer und erlogen zu sein.
Der Versuch eines Seins und das Fehlschlagen, das Ausharren und
und
- Luegen Sie mich nicht an
sie droht, aber sie hat keine Faust, sie simuliert das Bedrohliche, legt eine andere Haut auf und er weicht nicht zurück, auch wenn Henderson Lowry kein mutiger Mann ist, ein Maler, ein Künstler, fürwahr, sogar ein Schöpfer , aber keiner, der Klippen erklimmt oder Kinder aus brennenden Häusern rettet.
Ein Jemand, der eine Jemand trifft.
Kollision im Sturm und vielleicht ja doch eine Rettung, eine Dramatik und ein Entkommen.

- er ist groß und brutal und hat zwei Schläger bei sich, die Deine Freessse zu Matsch machen werden
-wahrscheinlich
- wollen Sie mit mir schlafen ?
- ja

sie macht keine Geräusche, als sie etwas in sich aufsteigen spürt, sie folgt nur, sieht sich auch weiter an, von oben, folgt der Empfindung, die nicht neu aber auch nicht vertraut ist, die ihr Angst macht und Lust und noch ein Gefühl, von dem sie nicht weiß, wie es heißt.
Er in ihr, bestürzende Profanitaet des Aktes, nichts zu sehen, nur Körper, die einander irgendwo treffen und auch irgendwo nicht, was aber jetzt keine rolle spielt, sie beschnüffeln lecken sehen einander, lassen sich nicht aus den Augen, Schweiß perlt uebebr ihre Stirn, er krallt sich in irhen Rücken, irgendwann passiert es, es rinnt aus ihm in sie, was sie zuläßt, nicht weil es immer so ist, vielmehr um ihn zu spüren, weil er gehen wird, natürlich, sie rausschmeißen wird aus seinem Atelier, sie hat die Bilder gesehen, die er zeichnet, nackte Körper, und einen kurzen Ekel gespürt vor diesen Körpern, vor ihrem Körper und dann wieder nicht, was sie verwirrt, zu begehren, zu wollen, nichts was ihr allzu geläufig wäre und wovon sie etwas wüßte.
Sie ist zehn Jahre alt und er legt sich auf sie und spritzt etwas in sie hinein.

die Sonne brennt so heiß vom Himmel, das es sie verbrennt.
Sie sieht hinab in diesen Abgrund, der nicht endet.
Sie sieht hinab
Sie erwacht.
Lange schon kein Kind mehr.

…standing here
the old man said to me
“Long before these crowded streets
here stood my dreaming tree”

Die Nacht als schemenhaftes Ornament irgendwo am Rande des Morgens, in dem Boxermantel sieht sie grotesk erfunden aus, ein Comic ohne Sprechblasen, eine Zeichnung aus Willkür und Begehren, aus Wollen und Ängstigen, einige Federstriche, die ein Ganzes nicht schaffen können, es aber vielleicht doch erahnen lassen.
Ein Ganzes.
Das Eine.
Mensch.

Seine Handfläche löst sich von ihrem Antlitz , sie bedeutet ihm, ihr zu folgen, das Bad noch ganz voller Hitze und Nebel, die Lücke, die sie hinterlassen hat beinahe noch zu sehen, zuerst die Hose, dann das Hemd, die Brille, er trägt keine Schuhe und keine Strümpfe, manchmal hält sie inne, preßt ihre Finger hier oder dort, hinterläßt Male, kleine Stellen, markiert etwas, be-greift , aber nur dort, wo sie nicht hinreicht.
Irgendwann ist er nackt
Er ist sehr schmal, was ihr die vergangene Nacht nicht aufgefallen ist, sie fühlt seine Knochen, das Gerüst , das, was pulsiert und drängt, was bebt, was zu sein hat, sie weiß nicht, ob es sie traurig machen sollte, nimmt den Waschlappen und tränkt ihn mit heißem Wasser, findet die Risse, die Lücken, die Stellen, die sie markiert hat, beschreibt ihn, nicht fuer jeden, nur fuer sich, zeichnet ihn nach, das er nicht verloren geht, macht ein Gerippe, das sein Antlitz trägt.
eine Unschärfe liegt in dem Bild, eine Unwirklichkeit, die Vorstellung, in einem Traum zu sein.
sie verharrt, die andere Haut, die sie ihn fuehlen und waschen läßt, streift sie ab.
Sie sagt
- Sie sehen sehr unwirklich aus, Mr. Lowry und kurz ist es so, als wären ihre Augen Glas, sie schließt die Lider über dem, was sie verraet und wendet ihr Gesicht ab, ein Schutz vor einer Gefahr, die Henderson nicht ist, aber sein könnte , schattengleicher Konjunktiv, zerbrochener Spiegel, die Fratze, zweites Gesicht, irgendwo da, wo nichts hinreicht, auch dorthin nicht, der Andere als unerreichbarer Ort, Illusion der Nähe und doch ein Wagnis, dessen Risiko man auf sich nehmen muß, imperativ der Sehnsucht, Sie, Teresa, zerfällt nicht und er berührt sie nicht, er ist nackt und sie schlägt ihn nicht, die andere Haut abgestreift berührt sie seine Hand und küßt ihn, aber nur sehr leicht, so das es kaum spürbar ist, mehr die Andeutung, Idee eines Kusses, einer Annäherung, die Äonen von Raum überwindet und doch nie ankommen wird.
reise ohne ziel

- Ich muß noch arbeiten, sagt er, aber wenn Sie hierbleiben wollen, ist das okay.
Sie sieht ihn an wie einen Außerirdischen und er spürt in seinem Magen die Rasiermesser schaben.
- Sind Sie sicher ?
- Ja
Sie hat einen leicht angebrochenen Zahn, den sie gerne versteckt, aber nicht jetzt, sieht ihn an, als spraeche er eine Sprache, die sie noch nie gehoert, die ihr aber trotzdem gelaeufig ist und als wuerden die Worte sie in den Himmel heben und sie schweben koennte…..

- die Fenster könnten auch mal wieder geputzt werden, sagt Frannie zu GABRIEL, woanders bestellt Mimi Terrano einen Kaffee und betrachtet Zeta Ophiuchi, die wie ein Skulptur im Lichte der vergehenden Sonne steht, Voegle umschwärmen sie und Marla denkt, es sei Zeit, einige Vergangenheiten zu begraben.
das rosarote Mädchen schwebt und der Himmel ist an einigen Stellen mehr schwarz als blau, als gäbe es etwas zu verbergen.

ein anderer Ort

einige leere Zettel
einige volle Gedanken und
einige Gefühle
die Augen schließen und tief einatmen
sein

Quinten wartet auf Marla an der alten Schule
Die Treppen sind hart, alt, verwittert von Regen und Winden, eine Rose blüht aus dem Asphalt und kreischende Körper sind noch vor wenigen Minuten aus den Öffnungen des steinernen Organs geflossen.
etwas gerinnt, was man dann Erinnerung nennen kann.
A-Hystorie.
Der Mann mit der Brille da ist Salmen Tangheti, er ist ein Lehrer fixer Geschichte und Politik, er hat zwei Kinder und eine kleine Frau. Er ist nicht religiös auch wenn sein Name klingt, als müsse er einer Vereinigung angehören, die Metaphysische Spekulation mit dem Adel des Dogmatismus schlägt, aber nein, Salmen hebt einen Stein auf und wiegt sein Gewicht in der Handfläche. Er hat grüne Augen und zwei Narben, eine aUF DER Brust, eine am Kinn, wie ein Boxer.
Er ist nicht dünn und nicht dick.
Er überquert die Straße und verschwindet in einen Weg, so das noch etwas nachhallen mag, die Dauer eines Fluegelschlags.
nur ein anderes Ende.
Salmen
zieht das Messer aus der Brust und lacht , noch einige Fäuste treffen sein Gesicht hart, aber er hört nicht auf zu lachen, bis sie gehen, einfach gehen, in einem Schweigen, das nicht behaglich ist und fuer niemanden Triumph .
Rot fließt es aus ihm
Rot.

Dramatischerweise koennen wir zwar jederzeit sterben, tun es aber einfach nicht.
Quinten sieht eine Frau , die ihren Körper unter einem mit Herzen bestickten grauen Pullover und einer zu weiten Jeans versteckt. Zwei Kinder kreischen und sie sieht nicht so aus, als hätte sie alles im Griff. Ihre Haare sind zu lang und ragen in viele Himmelsrichtungen.
Etwas ist falsch, denkt Quinten und sie sieht ihn an, als haete er laut gesprochen.
Ihre Augen sind vielleicht erschöpft, nicht aggressiv.
SIE sagt kein Wort, wahrscheinlich gibt es auch nicht zu sagen.
Quinten Würde gerne den Vater sehen und er wüßte auch gerne, ob die Frau ihn geliebt hat.
Was war der Plan, oder gab es keinen , dem Biorythmus folgen, pragmatische Vereinigung der Gliedmaßen und Koerpersaefte, die ineinanderfließen um ein Wunder, das nurmehr Trivialität sein kann, zu produzieren.
Serielle Wunsch- und Wunderproduktion.
Die bekehrten Leichen der Kreuzzuegler, die Hexenberge der Verängstigten,
die Judenberge der Nazis, die Foetenberge der zivilisierten Kannibalen,
kein höherer Plan
kein höherer Plan

als Marla Quinten am Arm berührt, ist die Frau lange verschwunden.
Marla küßt Quinten, Quinten küßt Marla
-Willst Du Kinder ?
-Ja
-Jetzt ?
-Nein, später

Marla trifft Quinten in einer Nacht im Dezember, es schneit Papierschnipsel und Sternschnuppen.

nein, später

3

Den Körpern zu folgen, in ihrer Verschlungenheit, ihrer Verlorenheit, die Augen schließen und die Gedanken ertasten.
In das erste Licht eines neuen Tages treten .
Das rosarote Mädchen liegt auf dem Rasen an der alten Fabrik.
Marla und Quinten sehen sich Bilder an von Kriegen und Kindern und Zügen
Lowry arbeitet und Theresa hört eine Platte von Leonard Cohen
Zeta kuesst Mimi
GABRIEL sagt der schwarzen Fremden seinen Namen.
Koichi ist nicht zu sehen
und Frannie liegt nackt auf dem Bett und summt eine Melodie , die nach Sinatra klingt

Wunsch, imaginäres Implantat, der Blick, der sich nicht richtet, objektlose Wahrnehmung ohne Wahrheit oder Falschheit.
Gabriel sagt zu F.
Ich möchte Dich küssen
und sie sagt
-Ich möchte Dich küssen
Gabriel berührt unsicher ihr Gesicht und sie schließt die Augen, erwartend, so das er, vielleicht kein Kind aber auch kein Mann, seine Lippen nach einiger Zeit über die ihren stülpt.
Der erste Kuß in der Umkleidekabine der alten Schule, leise ferne Schritte auf dem Gang, Schulschluß,
der Uebergriff,dei Entdeckung, sich entdecken, den anderen, einander, Lippen an Lippen, das leichte Kleben, die Zungen, die einander viel später treffen, das weiche, feuchte, das schwere Gewicht in der Magengegend und auf den gelbgruensonnigen Rasen fallen wie auf eine Matratze, der Himmel, der auf Gabriel niederdringt, ohne ein Gewicht zu sein, das Gefühl, das neu und aufregend und beängstigend einem zu Kopfe steigend über die Straßen und Häuser trägt
Ein erstes Mal
ein erster Anfang
erstes Ende
ein Montag

Man gelangt hierher, ohne nach dem Weg zu fragen, manchmal wundert sich Gabriel darüber, das er diesen weg jeden Tag aufs Neue findet, das ist eine Wiederholung, ist das auch Sicherheit ? die Tür gibt knurrend nach, es ist eine alte, aber nichtsdestotrotz trotzige starke Tür, man kennt sich inzwischen, so wie sich verschiedene Dingzustaende eben kennen können, der erste Schritt in den Laden immer auch ein Ertasten, ob ihm der alte Silbermann auflauert, bisweilen tut er das, Silbermann liebt alte Filme, alte Gruselfilme, hier im Laden ist es immer dunkel, es ist klein und gedrängt, so daß das vorhandene Licht verschluckt wird, was den Augen nicht eben guttut, aber es ist eben so, fuer den Zweifelsfall gibt es Taschenlampen, grotesk, Taschenlampen am hellichten Tage…
Es riecht nicht neu und vertraut und der alte Mann erscheint in einem Türrahmen
-Guten Morgen, Gabriel
-Guten Morgen, Alfons
Alfons ist sehr klein, er raucht Pfeife und sein Vater hatte eine Bank, er schrumpft, alte Leute tun das wohl, aber Alfons schrumpft sehr schnell, denkt Gabriel .
-Der Kaffee ist gerade durch
-Okay

Sie sitzen am kleinen Tischchen vorne an der Eingangstuer, wo auch die Kasse steht, und trinken pechschwarzen Kaffee, um diese Uhrzeit reden sie kaum, es ist zu früh, da ergänzen sich Alfons und Gabriel sehr gut
Der Kaffee erübrigt die Amphetamine und Bildblitzfetzen der vergangenen Nachttraeume, eine verregnete Straße, ein Strand, lachende Kinder, ein Bahnübergang, springen aus dem Dunkel der Einbildung kurz hervor, um gleich wieder zu verschwinden…

-Ich erinnere mich nie an meine Träume, sagt Gabriel spaeter,sie arbeiten, er sortiert einen Davidson unter Philosophie und eine Davis unter Psychologie ein,
wenn ich aufwache, ist alles wie verschluckt, manchmal bleibt ein Gefühl zurück.

Überall ist Staub, das muß wohl so sein, alles hier drin, abgesehen von den Menschen, ist nur tote Materie, die neigt dazu, etwas anzusetzen, man gewöhnt sich daran, aber Gabriel hat sich hier eine Allergie besorgt, keine Schlimme, aber immerhin, jeden Tag mit Tüchern und Besen gegen den Lauf der Dinge, manche Bücher sind schon immer , eine Lederausgabe von Moby Dick mit Bleistiftzeichnungen ,
Irgendwann sind Menschen da, einer sieht mit seinem Bart wie ein Dostojewski aus, eine Frau, deren Haare beiizeiten rot, aber durchaus auch mal gelb oder grün , sitzt an dem kleinen Tischchen auf einem Schemel in der Ecke und blättert in alten Ausgaben einer Filmzeitschrift, sie sieht auch interessant aus, wie man manchmal denkt, das eine Frau interessant aussieht, ob das jetzt auch den Gedanken an Körper und Begehren beinhaltet ist je nach Notstand und Religion zu betrachten, ganz subjektiv also, aber, ja, Gabriel denkt, eine interessante Frau, wahrscheinlich wuerde ich sie gerne mal auf einen Kaffee einladen, aber was läßt sich da schon sagen, ohne das es wie eine Einladung zum Fick aussähe, ohne sich lächerlich zu machen
aber Gabriel hat die grün gelb rote Frau schon zu lange angesehen, sie lächelt ihn an, ohne das sich sagen ließe, ob dieses Lächeln eine Aufforderung oder eine Höflichkeit sei.
-Können Sie sich an Ihre Träume erinnern ?
-Manchmal, aber eigentlich sehr selten, sie handeln allerdings auch meist nur von mir in einem Feld voller Kürbisse und ich mag keine Kürbisse und ein fremder Mann, es kann aber auch eine Frau sein, es gibt allerdings kein Gesicht, also ein Irgendwer holt ein Buch aus seinem Arsch und liest etwas, das verstehe ich dann aber nie, weil es zu laut ist oder ich weiß auch nicht warum, so ist das wohl mit Träumen.
Und SIE ? Sie beobachten mich, nicht wahr ?
ihre Augen macht sie klein und visiert ihn an
- Ja, ich muß es zugeben, ich beobachte sie bisweilen
sie legt den Kopf quer und lächelt und sagt
-Es ist okay, ihre Augen können mir nichts tun, es gibt gefährliche Augen, aber ihre sind harmlos, nein, vielleicht sogar eher einschmeichelnd, sanft, wie ein Streicheln oder ein freundliches Wort
-Ich habe gestern eine Frau kennengelernt und ich habe mir vorgestellt wie wir miteinander schlafen, glauben sie, das ich deswegen ein verwerflicher schäbiger Menschen bin ?
Sie lacht und grinst Gabriel wirklich sehr breit an
-Nein, ich denke, man sollte sie auf alle Fälle aufbewahren. Mochten Sie die Frau oder anders gefragt, haben sie noch andere Absichten was sie anbetrifft, sind Sie vielleicht auf der Suche ?
- Ich denke, das es möglich ist, das ich sie unter bestimmten Umständen vermissen täte, Umstände, die vielleicht schon eingetroffen jetzt in ihrer Gegenwart nur keine besondere Rolle spielen.
-Sind Sie aufgeregt ?
-Nein
-Aber Sie sollten es sein, meinen Sie nicht
-Vielleicht

Die Idee einer Liebesgeschichte liegt nahe und doch irgendwie ferne, aber die schwarze fremde Frau sollte wieder auftauchen, nur ist sie nicht auch diese Frau, sind sie nicht dieselben, wie sie sprechen, ich weiß nicht recht, es wird sich zeigen …

Wir sollten einmal zusammen essen gehen
sagt die gruengelbrote Frau, nimmt einen Stift aus Gabriels Hand und einen Karton , schreibt eine Reihe von Zahlen auf und wirft sie Gabriel zu, aber da steht sie schon in der Tür und ist dann ….. weg.

Silbermann tritt zu Gabriel, lächelt, aber er sagt nichts.

später woanders

-Also alles Diskurs und Gebet, sehe ich das richtig ? Marla trinkt einen Schluck Kaffee und ist so kalkblaß wie die tote Tapete , Quinten schluckt irgendwelche Bonbons und der Mann im Trenchcoat
-Sie sollten nicht übersehen, das sie durch ein Gebilde aus vorgefertigtem stolzieren, das tun sie jeden, jeden Tag, das ist nicht neu hier, nicht innovativ, auch wenn es ihnen beizeiten so erscheinen mag, aber mehr auch nicht, Phänomen, aber da findet doch keine Neubildung statt, nur eine mehr oder weniger heroische Verklausulierung und Erhaltung dessen, was ist, bleibt und verweilt, auf unseren Köpfen und in unseren Aerschen
sein Name ist unbekannt
-Aber das heißt ja, das alle Erfindung nur Einbildung und alle Avantgarde nur Masturbation mit greisen Händen ist
-So ließe sich das denken

-Laß uns gehen , sagt Quinten zu Marla, der Mann im Trenchcoat steigt in ein Taxi und ruft ihnen etwas zu, was aber keiner mehr versteht , ein Bus rauscht vorüber und die Welt ist eh Geräusch…

ein Brief

Es wird sie überraschen, das ich mich auf diese Weise bei ihnen melde und überhaupt, wie ich denn ihre Adresse herausfinden konnte und derlei, aber seien Sie Sich versichert, alles geht mit rechten Dingen zu, es ist ja schon ein wenig Zeit ins Land geflossen und ich weiß nicht, ob wir einander wieder so zufällig werden treffen können, deswegen will ich Ihnen ein wenig von mir verraten, was natürlich nicht mehr sein kann als ein Bündel von austauschbaren Informationen,aber sie sollten immerhin doch so etwas wie ein Bild ergeben, auch wenn das ja so eine Sache ist mit solchen Bildern, denn , wann sind die denn mal vollständig, aber egal, ich schweife ab und fange gar nicht an, ich habe soeben ein Telefonat mit meiner Schwester gehabt, sie ist einige Jahre jünger als ich und sie befragte mich nach einem Mann, was ja schon interessant ist, sie hat da diesen Mann kennengelernt und er ist ihr erster Freund, wenn man das so nennen kann, sie möchte auf jeden Fall, das er ihr erster Freund sein wird, ich kann mich daran kaum mehr erinnern, vielleicht an meinen ersten Sex, aber der erste Kuß ist völlig unklar, nun ja, was will ich erzählen, vielleicht, das ich eine Schwester habe, ja , ich habe eine Schwester, sie lebt in Italien, wie meine Familie in Italien lebt, nur ich nicht, ein Freund meines Vaters hat einmal versucht, mich zu vergewaltigen, ich habe ihm allerdings den Unterkiefer gebrochen und einen Stück von seinem Penis abgebissen, da war ich elf Jahre alt, aber es war weniger traumatisierend, als es jetzt klingen mag, ja, weniger, aber immerhin, sie werden sehen, meiner Schwester ist, denke ich, nie etwas passiert, aber ich bin weggezogen, hierher , ich habe einiges von Jerome Salinger gelesen, was mir ganz wunderbar bekommen ist und ich schreibe beizeiten Gedichte, habe allerdings nur zwei Freunde, eine Frau mit dem Namen Jade , sie kennt sich mit Messern aus und sie kocht mir manchmal etwas, ich denke, sie ist ein wenig verknallt in mich, aber ich bin nicht so eine, deshalb, nein, nichts deshalb, es gibt da noch einen männlichen Freund, was nicht so einfach fuer mich ist, wie Sie Sich werden denken können, er heißt Malcolm und ist Engländer, er trägt nur Anzüge, aber er hat kein Geld, er ist ein Dieb, wir haben uns kennengelernt, als er mir versuchte, meine Jacke, eine schöne schwarze Jacke, zu stehlen, ich habe ihn dann im Krankenhaus besucht, er ist ein eigentlich netter Mann, nur manchmal etwas besitzergreifend, nun ja, ich lebe hier seit Zwölf Jahren hier, das ist eine lange Zeit, viele Männer starren mich an, jeden Tag, ich bin wohl eine Art Schönheit, das kann ich natürlich nicht sehen, man selbst sieht das ja nie, so wenig, wie die eigene Stimme schön klingt, naja, ich habe erst vor zwei Wochen eine Verabredung mit einem älteren Herren gehabt und er hat mir Geld geboten fuer eine Nacht, ich denke die Verbrennungen heilen mit der Zeit, aber Sie, jetzt komme ich mal zu Ihnen, es ist nicht schlimm, sollten Sie sexuelle Fantasien gehabt haben von uns, wirklich, Ihnen nehme ich das nicht übel, Sie waren sehr unaufdringlich und gegen seine Natur kann man ja schlecht etwas machen, nicht wahr !? Ich möchte mich allerdings entschuldigen, das ich so schnell gegangen bin, ohne etwas zu hinterlassen, manchmal passiert mir das, da muß ich schnell weg, keine Ahnung, wieso das so ist, aber Sie sind mir nicht aus dem Sinn gegangen, das ist eine verwunderliche Tatsache, deswegen ja auch dieser Brief, der hoffentlich keine zu große Anmaßung bedeutet und den ich auch gleich werde beendet haben, ich möchte Ihnen nur sagen, das ich an Sie denke, an Sie, so weit man ein Bild konservieren kann, das ist bedeutsam und ich sage es Ihnen und ich sage es mir, ganz öffentlich, seien Sie bitte nicht geschockt, ich hinterlasse Ihnen, und da bin sehr mutig, meine Adresse, vielleicht möchten Sie ja mal vorbeischauen, ich muß Schlußmachen, vielleicht auf bald, alles ist sehr seltsam
Maria

Gabriel wiegt den Brief in seiner Hand, eine schöne Schrift, voller Schwünge und Linien, kleine Gebirge, Landschaften, nicht wie seine, die sehr abgehackt und unsicher ist, tatsächlich wunderlich, er muß ein-zweimal tief durchatmen, der Brief war zu schnell, eine Nuance zu schnell, er stellt sich die langen schwarzen Haare vor, er stellt sich die Gewalt vor, was gibt es zu denken ?
Sollte er sie besuchen ?

- Natürlich mußt Du sie besuchen, am besten gestern, keine Frage, Mimi gibt den Meisterkoch und läßt die Pfannkuchen durch die Luft wirbeln, Zeta ist im Museum
- keine Ahnung, wie sie meine Adresse bekommen hat
-Spielt das eine Rolle, denke lieber an sowas wie Verteidigungsspray oder so, das Mädchen klingt ja ein wenig durchgeknallt
-Mal sehen

Gabriel steigt mit beiden Beinen voraus in die Blume, die auf die Tapete gemalt ist, eine rote Rose, er rutscht sehr tief in einen Tunnel, der frisch riecht, der melancholisch riecht…

der Geruch von Sinn, von Geschichte, von Begierde

-Ess’ ein wenig, sagt Mimi und stellt den Teller mit einem Berg Pfannkuchen vor seine Nase, übernachte heute hier, es ist okay, Zeta ist nicht da
-Gut

Mimi riecht sanft, wie eine Berührung , sie liegt da und atmet gleichmäßig, gleich neben Gabriel, dessen Blick über die von Scheinwerfern und Laternen mit Licht befleckte Decke streicht, sie mischt manchmal mit Essig und Apfel und Zitrone, sowas, Mimi macht lange keine Pornos mehr, was keine rolle spielt, aber Gabriel denkt daran, an früher, irgendwann , sehr lange her, sie trägt eine rote Mütze, die sie fast über die Augen gezogen hat, man fragt sich, ob sie noch was sieht, betritt die Küche, Aria sagt, Das hier ist Mimi, sie dreht Filme, schmutzige Filme, geile Filme , der Moment der Taufe, der sich nur manchmal, nicht intendiert als solcher aus dem Kontinuum der Momente herausschneiden läßt, als wäre das wirklich so, ein isolierter Augenblick, Mimi fickt mit Aria und verläßt sie irgendwann, Aria flippt aus, das tut sie häufiger, aber sie landet eine Zeitlang in der Anstalt, wir denken, sie käme nicht mehr da raus, aber irgendwie kriegt sie sich wieder ein, irgendwie…
Mimi atmet weiter, vielleicht ist der Atem ein besonders elaborierter Code, wer weiß. Gabriel und Mimi schlafen einmal miteinander, wahrscheinlich weil es einmal ausgesprochen werden muß sprechen sie von Liebe, auch jetzt noch, aber anders, Zeta tritt auf den Plan , da hat sie die Besetzung der Schule lange hinter sich, und es ist, wie man so sagt, Liebe auf den ersten Blick, Zeta ist nicht eifersüchtig, so das es kein Problem darstellt heute Nacht, das Gabriel da liegt, neben einer gleichmäßig atmenden Mimi, die keine Pornos mehr dreht…

-Irgendwann ist alles doch nur noch Geschichte, der Morgen riecht nach Kaffee, starkem, die Nervenenden kitzelndem Kaffee, Mimi trägt ein Shirt auf dem eine Micky Maus einem Soldaten in den Kopf schießt, ihr Höschen ist rosa und sie hat einen blauen Fleck am linken Knie…

-Ja, so ist das wohl, morgendliche Benommenheit in Phrasen gehüllt, die Kacheln haben kleine Blumen aufgemalt, das sieht nach Nachkriegszeit aus und Plattenbauten, die Anonymität im Großstadtdschungel, Mimis Eltern kommen auch aus Italien, wie die der fremden Frau, Sizilien, das klingt immer nach Mafia, Gabriel interessiert Geographie nicht und Mimi redet nicht von daheim,kaum jemand, den Gabriel kennt, redet wirklich von früher, Zuhause, Heimat, irgend etwas sagt das, wie alles etwas sagt, aus-sagt, symptomartig, eine geheime Geschichte hat jeder zu erzählen, so das wir von Geschichten sprechen sollten, nicht einer, nein VIELE Geschichten wären zu erzählen, aber das tut man nicht, weil es zu aufwendig ist und es die Macht nicht berührt, die Massen, die Legionen

Anmerkungen
1 Titel eines Songs der ueberschaetzten Hamburger Kombo Tocotronic
2 Yoko Tawada schreibt in ihrem Buch Das Bad auf Seite 1: Der menschliche Koerper soll zu achtzig Prozent aus Wasser bestehen, es ist daher auch kaum verwunderlich, daß sich jeden morgen ein anderes Gesicht im Spiegel zeigt.
3 Gabe Singer wird in Jacob`s Ladder von Macauley Culkin verkoerpert.
4 Wenn irgendetwas je geblieben ist, ist es dieser Satz und dieses erste Bild, der Anruf, die Nachricht, das Krankenhaus, all das ein wenig inspiriert von Adrian Lyne`s Jacob`s Ladder.
5 Wenn Du gut zu ihr bist, wird sie gut zu dir sein sagt der Wachmann zu Robert Burke, in: Simple Men
6 Aus: Gott, der Tod und die Zeit von Emmanuel Levinas
7 Jerome D. Salinger ließ einige seiner Geschichten um die verschiedenen Mitglieder der Familie Glass handeln.
8 Name des Charakters, den Jude Law in Das… der Krokodile spielt.
9 Ja, ja Vor dem Gesetz aus: Der Prozeß und ebenso ein Moment des japanischen Films Mike Yokohama.
10 Im Original: Von der Seite treffen mich feuchte Lippen, die schmatzend auf meiner Wange landen. Ich sehe die Lippen an, sie gehoeren zu dem kleinen Maedchen, von dem ich jetzt das Gesicht erkennen kann. Etwas blaß, eine stupsige Nase, kleine Augen, ein kariertes Kleid. Sie sagt: Sie sollten die Wirklichkeit nicht ueberschaetzen, dreht sich um, ohne das ich etwas erwidern koennte und verschwindet in einem Meer von Licht…
11 W.V.O.Quine, On what there is
12 Lieben Sie Brahms ? ein Film mit Anthony Perkins, den ich nie gesehen habe, aber dessen Titel mir immer sehr gefiel.
13 s. Jacob`s Ladder.
14 Die Zeitigung der Zeit, da mueßte man jetzt nochmal in Heidegger`s Sein und Zeit nachlesen…
15 Man sollte sich immer an den John Doe ( Kevin Spacey ) in Seven erinnern und seine Tagebuecher.
16 Es sollten urspruenglich 36 Korridore geben. Der Text Kammern ist Ursprung der Idee.
17 Der Schaukelstuhl ist ein wiederkehrendes Bild, inspiriert von Nicholson Baker`s Ausfuehrungen in Zimmertemperatur, wenn der Protagonist versucht mit den Ohren zu lesen
18 Lowry war der von Jonathan Price verkoerperte Protagonist in Terry Gilliam`s Brazil
19 Slavoj Zizek, ? Fuer mich heißt es, die Frage nach dem Geheimnis zu stellen, jene Unterstellung, da, hinter dieser Oberflaeche, welche nie transparent sein kann, etwas zu vermuten, was moeglicherweise nie da ist und waere das nicht viel schlimmer, eine Leere anstelle einer Fuelle vorzufinden, koennte man etwas sehen. Es ist die Unterstellung von Wissen, von Ethik, von Gemeinsinn, von Liebe. Es geht um das Ueberleben und den Glauben.
20 s. Harpo Marx von den Marx Brothers
21 Emmanuel Levinas, Menschwerdung Gottes? in: Zwischen uns
22 s. Anmerkung 16
23 ein Film von David Cronenberg von 1980
24 Meg Tilly hat in Der große Frust die ignorante junge Chloe gespielt.
25 Nichts ist einfacher, nichts bequemer, und nichts ist letzen endes optimistischer als das Voraussagen der Katastrophe. Es enthebt der Vernatwortung, es ueberhebt sich ueber die Welt, und wenn es sich als Irrtum erweist, dann wird es gerne verziehen. Vilem Flusser , Bodenlos, S.288
Als ich das letze Mal in Graz war, hat jemand dort von Katastrophendrohungen gesprochen. Ich bin wuetend geworden und habe gesagt: Ich bitte sie, was wollen Sie, die Katastrophe ist doch hinter uns, Auschwitz ist doch hinter uns ! Da bi ich zu mir gekommen und habe gemerkt: Ja, ich bin aus der Geschichte draußen…
Vilem Flusser in: Zwiegespraeche, S.114
26 Yoko Tawada gelangt 1982 mit der transsibirischen Eisenbahn nach Euriopa und nach Hamburg, wo sie bis heute sowohl in Japanisch als auch in Deutsch Texte veroeffentlicht.
27 Das alles ist natuerlich Alice hinter den Spiegeln und infolgedessen Gilles Deleuze`s Logik des Sinns.
28 Dieser Text gehoert hier eigentlich nicht rein, denn er verweist auf einen anderen Text, Ich-Machine ( leichen revisited ) a.k.a. Leichen 2. So recht klar ist mir die Chronologie der Geschehnisse bis jetzt nicht, aber vielleicht spielt es auch keine Rolle, denn denn was geschehen ist, ist nie nur vergangenen und so vermischen sich die Zeiten.
29 Eigentlich sagt das mein Freund Heiner…
30 ein Film von Peter Bogdanovich, den ich auch nie gesehen habe, aber es soll eine Komoedie sein, so interessierte mich immer nur der Titel.
31 ja, und hier ein Titel eines Ingmar Bergmann Films, den ich auch nie gesehen habe.
32 Emmanuel Levinas, Ist die Ontologie fundamental ? in: Zwischen uns
33 Das Kino meiner Kindheit war das Thalia-Kino auf der Grindelallee, wo in Matineen noch Anfang der achtziger Jahre Jerry Lewis-Filme in ausverkauften Vorstellungen liefen.
34 Audrey Hepburn in Fruehstueck bei Tiffany
35 Da gab es eine Freundin, Dagny, sie wohnte mit ihrer Familie unter uns und hier ist Frannie diese Dagny…
36 s. Leichen 2
37 aber eigentlich bin ich da nicht so sicher, das ist ein schwebbendes Verfahren.
38 Isobel taucht in Sunset 4 auf, ob der Text vor oder nach diesem spielt, bleibt eine Frage, die nicht zu beantworten ist. Isobel taucht auch in einem Lied von Bjoerk auf
39 s. Zurueck
40 s. Leichen 2
41 aus einem Song der hollaendischen Band Bettie Serveert
42 s. das Textfragment Wasser
43 Tor Age Bringsvaerd, Fruehstueck einer Langschlaeferin
44 Tor Age Bringsvaerd, Fruehstueck einer Langschlaeferin
45 J.D.Salinger hat auch von Franny Glass geschrieben, u. a. in Franny und Zoey, und doch ist Frannie mehr eine Hommage an eine alte Freundin.
46 s. David Lynch`s Lost Highway: Dick Laurant is dead
47 Es wird fuenf Tode geben, aber nur eine Leiche.
48 Me and a Gun von Tori Amos
49 Zitat aus Jack Sholder`s 12:01

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